Casper – XOXO

Disclaimer: Das ist keine Review. Ich werde nicht sonderlich auf das Album und die Songs an sich eingehen. Dazu bedeutet das Album zu viel. Ich will einfach nur meine Gedanken zu dem Album aufschreiben.

XOXO – Hugs and Kisses, so heißt also das vermutlich meistgehypte Album, das deutschsprachiger HipHop je hervorgebracht hat. Der Künstler, der dahinter steckt: Casper. Ein 29 Jahre alter Halbamerikaner aus Bielefeld. Man sagt ihm nach, mit XOXO würde er die Welt des HipHop revolutionieren, dabei ist er schon länger im Geschäft. Doch bisher hielt er sich größtenteils an die »klassischen« Themen und auch die Beats waren recht konventionell. Die beiden Vorgängeralben von XOXO, Die Welt hört mich und Hin zur Sonne waren zweifelsohne sehr gut und man konnte auch viel Talent erahnen, doch ich würde nicht so weit gehen, dass irgendwelche revolutionären Tendenzen erkennbar waren.

Doch dann rumorte es im Netz, dass etwas großes kommen würde. Kaum einer hatte etwas gehört, doch es ging wie ein Lauffeuer über Twitter und Facebook. Die ersten Töne, die ich tatsächlich gehört habe, war das Lied Kontrolle/Schlaf, von dem eine Version auftauchte, wie es im Studio eingespielt wurde. Musikalisch am ehesten vergleichbar mir Explosions in the Sky und anderen Post-Hardcore Bands, aber halt mir Raps auf der Melodie. Und auch der Text: Er wollte mir weder die Freundin ausspannen, noch mir mit seinen Hoden den Kiefer brechen. Auch mit dem Mercedes durch die Hood cruisen scheint nichts zu sein, was Casper zu seinen Tätigkeiten zählt. Die Spannung auf das Album stieg immer mehr. Es tauchten schlechte Handyvideos von Liveperformances neuer Stücke wie Alaska auf und es war klar, dass es mehr als ein One Hit Wonder werden würde. Dann gab es ein Studiovideo in dem Thees Uhlmann beim Einsingen seines Parts zu sehen war. Ja, der Thees Uhlmann, der neben seinem Job als Gottheit auch Sänger bei Tomte und Labelchef vom Grand Hotel van Cleef ist. Ich (und mit mir das gesamte Internet) wollte dieses Album haben. Und dann kam der Tag.

Ich saß hibbelig da und wartete auf die ersten Töne. Es waren die bereits aus dem ersten Video bekannten von Der Druck steigt. Es ist schwer zu beschreiben, was das Stück mit mir machte. Gänsehaut stieg auf und saß gefesselt und sprachlos vor dem Monitor. Dann kam Blut sehen und in meinen Adern fing es zu kochen an.

Um das Album weiter zu beschreiben: Ich saß wirklich mit Gänsehaut und teils mit Tränen in den Augen vor den Lautsprechern und hörte XOXO drei Mal am Stück ohne irgendwie Twitter, den Browser oder einen Chat zu öffnen. Das letzte Album, das solche Dinge mit mir machte war Von Wegen von Muff Potter - und das ist in meinen Top 5 Alben aller Zeiten.

Zu XOXO: Revolution geglückt, Pflichtkauf.

Wir schreiben uns eine Eurokrise


Ein Thema ist heutzutage in aller Munde – EHEC. Doch darum soll es gar nicht gehen. Denn wirklich relevant sind momentan meiner Meinung nach nur zwei Dinge – der Atomausstieg und die Eurokrise. Zum Atomausstieg muss ich nicht viel sagen, jeder Mensch, der nicht dafür ist hat nicht mehr alle Latten am Zaun. Und die 20 Milliarden Euro, die dabei angeblich als Kosten entstehen sollen: Gucken wir doch einfach nur, was wir für andere Dinge ausgeben. 20 Milliarden sind Peanuts. Selbst wenn es das sechsfache kosten sollte, sind die zu leistenden Ausgaben geringer als die, die wir momentan durch Endlagerung und Castortransport haben. Vom Risiko ganz zu schweigen.

Bleibt noch ein Thema: Die Eurokrise. Ungefähr zu meiner Geburt versuchten diverse EU-Länder auch längerfristig eine Währungsunion zu bilden, die eine Währung hervorbringt, die mit dem Dollar konkurrieren kann. (Das Problem, dass Währungen größtenteils auf gutem Glauben basieren lasse ich jetzt außen vor, die Regierungschefs haben das ja noch nicht verstanden.) Die Taktik ging auf – zwischenzeitlich war der Euro so unglaublich stark, dass sich Supermodels und Drogenbosse nicht mehr in Dollars bezahlt werden wollten. Doch nun kommt die Eurokrise. Schuld sind Griechenland und Portugal, das wissen wir ja nun dank der Bild. Doch gucken wir uns das näher an. Die Löhne in allen EU-Staaten sind in den letzten 10 Jahren erheblich gestiegen. Entschuldigung, nicht in allen. Deutschland macht da nicht mit. Warum auch, es ist ja viel einfacher, die Exportnation Nummer eins zu bleiben, wenn man verhältnismäßig wenig an Angestellte zahlen muss. Es klingt ja erstmal vernünftig, wenn Deutschland den eigenen Export ankurbelt. Doch wie schädlich ein Alleingang in einem Team ist, hat jeder von uns schon bei Gruppenreferaten in der Schule gelernt. Der eine steht super da, hat am Schluss die Topnoten und wo der Rest von der Gruppe bleibt ist egal. Als wenn das nicht schon schlimm genug wäre, gibt der Topschüler dem Rest des Teams auch noch die Schuld, dass es keine 15 Punkte gab. Das ist schon in der Schule nicht schön, aber wen man dieses Spiel auf Nationenebene spielt, dann sind Menschenleben in Gefahr. Und genau das macht unsere Bundeskanzlerin gerade. Sie lügt, wie es einst Ursula von der Leyen mit der Kinderpornographieerlaubnis in Indien tat. Merkel sagt, dass die Griechen faul sind . Alle Fakten, die sie zum Untermauern dieser Thesen nutze sind jedoch nicht nachweisbar. Merkel ist aber nicht nur die Topschülerin, sie ist gleichzeitig eine der Lehrkräfte, die für die Benotung zuständig ist. Was nun passiert, ist schlecht für die eigene Währung: Durch die Kritik von der Bundeskanzlerin und anderen Staatsoberhäuptern wird die Kreditwürdigkeit Griechenlands immer fragwürdiger. Keiner will der Nation mehr Geld leihen. Nun müssen die Euroländer einspringen um den Griechen zu helfen. Entgegen der Angaben in der Bild wird das Geld jedoch nicht verschenkt, sondern verzinst verliehen. Am Schluss kann Deutschland damit also Geld verdienen. Aber auch das ist noch nicht der Clou an der Sache. Durch diese Stütze um den Euro am Leben zu erhalten, sinkt der gesamte Wert der Währung massiv. Das bedeutet, dass es für das Ausland erheblich günstiger wird europäische Ware zu kaufen. Wer ist die größte Exportnation Europas? Genau, Deutschland. Also verdienen “wir”doppelt mit den selbst herbeigeredeten Staatspleiten von Griechenland, Portugal und vielleicht noch Irland.

Natürlich ist das alles eine Verschwörungstheorie. Ich kann nicht garantieren, dass das alles wirklich mit Absicht geschieht. Das ist aber auch nicht relevant, die Konsequenzen sind nämlich gleich geblieben. Gewinner der “Eurokrise” ist Deutschland.

(Titelbild von Images_of_Money unter dieser CC-Lizenz)

Privacy-Spacken

Ich will mich hier in der Post-Privacy-Diskussion auf keine Seite begeben, denn ich denke, dass nur ein Mittelweg der richtige sein kann.  Ich kann mich aber jedoch sehrwohl aufregen. Und zwar über die selbsternannte Privacy-Fraktion. Da erlaubte sich Constanze Kurz (immerhin Sprecherin des CCC) die andere Seite einfach als Spacken zu bezeichnen. Ich will gar nicht weiter darauf eingehen, dass mit diesem Wort sogar Minderheiten diskriminiert werden, aber Menschen, die anderer Meinung sind als man selber, zu beleidigen schadet dem ganzen Diskurs. Gesellschaftlich kommen wir nur weiter, wenn es mindestens zwei Seiten zu einem Thema gibt, denn nur so gibt es genügend Reibungsfläche um sich weiterzuentwickeln.

Ein Diskurs hört sich in meinen Augen so an. Gruppe X, sagt, dass der momentane Zustand A aus den Gründen 1,2 und 3 nicht weiter tragbar sei. Das hört Gruppe A und sagt, dass Gruppe X aus den Gründen 7,8 und 9 falsch liegt. Entweder ist eine der Gruppen so überzeugend, dass ihr voll Recht gegeben wird, oder sie einigen sich mit den Argumenten 4,5 und 6 auf einen Zustand, der irgendwo zwischen A und X liegt.

Wenn aber plötzlich eine Gruppe dazu übergeht, die andere zu beleidigen, scheinen ihr die Argumente auszugehen. Und dies scheint immer häufiger der Fall zu sein. Denn nun fängt auch Linus Neumann auf Netzpolitik.org damit an, auf die andere Seite einzudreschen. Nun habe ich die Podcasts gehört, die er da thematisiert. Und gerade die Fanboys, gehen durchaus kritisch mit dem Thema um. Ich bin nicht mit ihnen einer Meinung, aber ich könnte anhand von Argumenten mit ihnen darüber diskutieren. Wenn ich aber lieber jemanden beleidigen will, dann brauche ich mich nicht zu wundern, wenn kein brauchbarer Diskurs zustande kommt.

Man könnte jetzt meinen »Okay, ich will ja gar keinen Diskurs mit den Spacken.« – Falsch, denn wenn wenn man einfach anfängt, sich wie ein 16-Jähriger Skinhead auf Koks und Wein zu benehmen und einfach wild um sich pöbelt, dann hat man verloren. Zumindest in der Außenwahrnehmung. Hinzu kommen die Rollen, die die Pöbler einnehmen. Constanze Kurz ist Sprecherin des CCC. Linus Neumann schrieb seine Hetze auf Netzpolitik.org, einer Plattform von Markus Beckedahl, der gerade mit der Digitalen Gesellschaft einen Lobbyverband gegründet hat, der Netzinteressen vertreten soll. Wie aber soll ich mich mit diesen Organisationen verbunden fühlen, wenn sie sich Leute in den eigenen Reihen leisten, die sich nicht einmal an Grundregeln was Benehmen angeht halten können? Oder um Worte zu verwenden, wie sie aus den Mündern von Kurz und Neumann kommen könnten: Wie kann ich die SPD noch wählen, wenn sie einen Sarrazin nicht rauswirft?

Survivalism

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Manchmal gibt es Momente in denen ich Menschen abgrundtief hasse. Frei nach Agent K bemerke ich dann wieder, dass ein Mensch zwar ganz vernünftig sein kann, diese Vernunft in größeren Menschenmassen aber einzig und allein auf die eigenen Lebensfunktionen reduziert wird. Anders ist mir diese offensichtliche öffentliche Dummheit nicht zu erklären.

Das erste Beispiel stammt aus meinem Uni-Alltag. Der Campus selbst ist recht groß, die Wege dorthin und nach Hause werden besonders zur kalten und nassen Jahreszeit sehr gern mit dem Bus zurückgelegt. Von allen. Gleichzeitig. Deshalb gibt es folgendes Phänomen an jeder Bushaltestelle zu sehen: Der Bus hält an, die Türen gehen auf, kein Mensch rührt auch nur einen Muskel. Die fünf Idioten, die im Eingangsbereich stehen checken nicht, dass sie ihren Arsch vielleicht in den Gang bewegen müssten, damit die dreitausend Zusteiger in den Bus passen. Also steht der Bus erstmal fünf Minuten bevor es weitergeht. Raketenwissenschaft im Alltag.

Das zweite Beispiel findet sich ebenfalls auf dem Campus, aber auch gern an Bahnhöfen oder Kaufhäusern. Menschenmassen können einfach keine Räume vernünftig verlassen. Egal ob Bus, Rolltreppe, oder Geschäft: Die Tür geht auf, die Treppe hält an, ein einziger Schritt in die Freiheit und – stehenbleiben. Jeder Trottel denkt mal wieder nur an sich und vergisst den völlig stickigen und überfüllten Fahrstuhlinhalt in seinem Rücken. Zum Kotzen ist das. Als ob ein weiterer Schritt nach dem Befreiungsschlag so ein großes Problem wäre. Die Königsdisziplin dieser Dummheit ist aber das absichtliche Blockieren von Nadelöhren: Arschgesicht Nummer 1 trifft auf Hackfresse Nummer 2 und entscheidet sich in der völlig überfüllten Mensa genau am Treppenende über das unwichtigste Thema der Welt zu unterhalten. “Hey, was machst du denn…” – Schnauze und weg da!

Das dritte und letzte Beispiel betrifft ebenfalls die Schnarchnasen an meiner Uni. Hörsäle sind manchmal eine recht große Angelegenheit und manche Arschkriecher müssen schon drei Tage vor Vorlesungsbeginn ihre Plätze reservieren. Damit könnte ich ja leben, wenn diese Vollpfosten nicht direkt am Gang sitzen müssten und man als meist pünktlicher Mensch sich an genau diesen Ärschen vorbeischieben muss, um nicht 90 Minuten lang auf dem Boden sitzen zu müssen. Natürlich ist es konsequent von Leuten, die nur einen Meter über ihren eigenen Horizont hinausdenken, eben jenen Meter nicht weiterzurücken.

Man verstehe mich nicht falsch. Ich mag Menschen und kann mit großen Augen über die schier unendliche Zahl an spannenden Individuen auf diesem kleinen Planeten staunen. Wenn sich diese Individuen dann aber in der Öffentlichkeit zum kollektiven Herumstehen-und-Verstandausschalten treffen, dann möchte ich am liebsten fußaufwärts in so manche Magengegenden fallen!

(Titelbild von osde8info unter dieser Lizenz)

Europäische Überheblichkeit

Das Leben bei uns in Europa ist schön. Wir haben meistens genug zu Essen und verdursten ist bei uns so gut wie unmöglich. Fernsehen und inzwischen sogar Internet sind Teil der Grundversorgung. Die Minister der Nationen haben jedoch momentan mit einem »Problem« zu kämpfen. Flüchtlinge. Gerade aus Afrika kommen momentan reichlich Flüchtlinge und da sie keine andere Chance zum Überleben für sich und ihre Familien sehen, machen sie sich auf den Weg über das Mittelmeer. Nicht wenige von ihnen werden dabei umkommen. Nicht erst seit den Revolutionen und Aufständen in Nordafrika ist dies der EU ein Dorn im Auge. Darum wurde die Agentur Frontex ins Leben gerufen. Ihr Job ist nach eigenen Aussagen die Flüchtlingsströme nach Europa zu kontrollieren. Doch was heißt das?

Über die Arbeit von Frontex ist bis jetzt noch nicht so viel bekannt. Doch selbst aus den jetzigen Informationen kann man sich denken, wie eklig die Arbeit dieser »Behörde« ist und wie verkommen man sein muss, um dort zu arbeiten. Denn wie kontrolliert man Flüchtlingsströme? Man versucht zu verhindern, dass sie die Grenzen erreichen. Dazu fließen zum Beispiel Gelder an nicht EU-Staaten, damit sie die Menschen, die alles was sie noch haben aufgeben und deren letzte Hoffnung die Flucht ins Unbekannte ist aufhalten. Das tolle: Die Gesetze in diesen Staaten sind nicht so streng. Da können halt auch mal ein paar Menschen sterben. Was soll’s – es sind ja nur Zigeuner oder Neger. Anders als durch diesen Zynismus sind diese Dinge einfach nicht ertragbar. Ich weiß nicht, ob es inzwischen Beweise für meine Behauptungen gibt, aber es ist alles andere als Unwahrscheinlich, dass es so ist.

Man muss sich nämlich einfach nur die Situation in den USA ansehen. Dort ist es zum Teil verboten in Staaten, die an Mexico angrenzen, Wasser in der Wüste auszulegen. Man nimmt also wissentlich in Kauf, dass Menschen sterben. Da finde ich meine Wortwahl noch relativ gemäßigt.

Doch warum sollten wir die Menschen aufnehmen? Schließlich können wir ja nicht für jeden zahlen. Das ist ein Argument, dass man immer wieder gerne hört. Ganz einfach. Wir lassen einen Diktator wie Gaddafi an der Macht, weil wir davon Vorteile haben. Mubarak war gerne angesehener Gast in Europa und auch sonst haben wir Westeuropäer ja schon seit einigen Jahrhunderten gute Erfahrungen damit gemacht, Afrika auszubeuten und klein zu halten. Die Revolutionen in Tunesien und Ägypten wurden in Europa gerne gesehen und jeder fand es gut. Doch nun kommen aus Nordafrika neue Flüchtlingsströme. Die EU, die sich so gerne als große Einheit feiert macht nun die Grenzen dicht. Italien, dummerweise am Mittelmeer gelegen, darf nun also alleine mit den Flüchtlingen fertig werden. Da verstehe ich die Wut Berlusconis nur zu gut. Natürlich kann ein Land nicht so viele Flüchtlinge verkraften. Wenn die EU-Bürokraten aber nur einen Schuss Humanität zeigen würden, dann könnte man die Flüchtlingsströme auf alle Mitgliedsstaaten verteilen. Und das wir Flüchtlinge aufnehmen sollte verpflichtend sein, ohne wenn und aber. Denn wir sind größtenteils für das Leid in den Nationen verantwortlich. Und wenn jemand so verzweifelt ist, dass er die Flucht antritt, dann hat er wenigstens die Aufnahme in einem Land verdient, denn wer einmal ein Flüchtlingslager besucht hat weiß, dass keiner von uns darin auch nur eine Woche überleben würde. Für diese Menschen allerdings ist es die Rettung. Und ja, wir in Europa können und müssen uns das leisten. Jeder, der das Gegenteil behauptet ist ein Lügner. Ja, ich meine Sie, Herr Friedrich.

PS: Wenn sie sich sicher sind, dass wir uns das nicht leisten können, dann melden Sie sich bei mir. Ich kann Ihnen das gerne erklären. Ihre Angst vor Ausländern zählt nicht als Argument.

(Titelbild von Hellebardius unter dieser CC-Lizenz)