Heute nun ist es also so weit: In Oslo findet mitten in europapolitisch höchst sensiblen Zeiten der 55. Eurovision Song Contest statt. Mit Lena nimmt für Deutschland erstmals seit Jahren wieder eine Sängerin teil, die sich ernsthaft Hoffnungen auf den Sieg machen darf. Mehr aus reiner Neugier und Spaß an der Sache, denn aus Patriotismus oder musikalischem Interesse habe ich mich entschlossen zu diesem Anlass mal wieder live zu bloggen.
Meine Vorbereitungen dazu beschränkten sich darauf regelmäßig Lukas Heinsers und Stefan Niggemeiers Oslog zu schauen, die Regularien durchzulesen und das formale Grundgerüst dieses Eintrags vorzubereiten. Während des Wettbewerbs werde ich die einzelnen Beiträge kommentieren und (entgegen der offiziellen Verfahrensweise) zwischen einem und 25 Punkten vergeben. Idealerweise hab ich zum Schluss damit eine persönliche Rangliste, die mehr oder weniger stark vom tatsächlichen Endergebnis abweicht.
Sollte das für Sie nun nicht völlig uninteressant klingen, dann bis heute Abend 20.15 Uhr, gleiche Stelle, gleiche Welle™.
Countdown
20:30 Uhr: Los geht’s. Ich bin logischerweise nicht der Einzige, der das Geschehen live kommentieren wird: Lukas Heinser und Stefan Niggemeier sind vor Ort und traditionell schaut sich auch der Popkulturjunkie den Wettbewerb an.
20:36 Uhr: Im Gegensatz zu vielen Anderen finde ich Nena generell gar nicht so schlimm, dieses Lied aber schon.
20:42 Uhr: Huch. Holland ist ja schon raus. Eigentlich wollte ich da ja Pinkelpause einlegen.
20:44 Uhr: Ich vermute mal Unheilig sind das für die Gothic Szene, was die Toten Hosen für die Punker sind.
20:52 Uhr: Wisst ihr noch damals, als Xavier Naidoo mit den Brothers Keepers noch ernsthafte Musik machte? Ich schon.
20:56 Uhr: Achja, das Wort zum Sonntag. Einmal im Jahr muss auch das sein.
55. Eurovision Song Contest in Oslo
21:01 Uhr: So oberflächlich wie die Historie des Wettbewerbs da präsentiert wird, hätte man es besser sein lassen.
21:04 Uhr: Ich schrieb das ja bereits vergangenes Jahr: Diesen Rybak mit diesem “Fairytale” finde ich schon gut.
***
Safura – Drip Drop (Aserbaidschan)
Was für ein Auftakt! Sehr schöner und gefühlvoll interpretierter Popsong ist das. Die Favoritenrolle geht völlig in Ordnung. 24 Punkte.
Daniel Diges – Algo pequeñito (Spanien)
Tja, was soll man dazu sagen? Vermutlich wird dieser Beitrag einer sein, den man in 20 Jahren in der RTL-Sendung “Die zehn komischten Bühnenbilder bei Eurovison Song Contests” finden wird. 9 Punkte.
Didrik Solli-Tangen – My Heart Is Yours (Norwegen)
Also als Musical-Darsteller sicher ganz gut der Junge. Aber halt eben nicht um den Contest in Oslo zu behalten. 13 Punkte.
Sun Stroke Project & Olia Tira – Run Away (Moldawien)
Einer dieser Songs dem die Seele fehlt und der klingt wie schlechte Diskomusik in den späten 90ern. 4 Punkte.
Jon Lilygreen – Live Looks Better in Spring (Zypern)
Sunnyboy mit nem Song zum Dahinschmachten (oder so). Aber er hat ja auch Recht: Live Looks Better in Spring – zumindest in Zypern. 19 Punkte.
Vukašin Brajic – Thunder and Lightning (Bosnien & Herzegowina)
Gut, dem hätte jetzt vielleicht mal jemand sagen sollen, dass Playback-Gitarrensolos immer ziemlich schäbig aussehen. Klingt immerhin wie mindestens 2006. Und der Schluss, naja. 11 Punkte.
Tom Dice – Me And My Guitar (Belgien)
Yeah! Toller Typ mit tollem Song. Aber um hier zu siegen wohl etwas zu ruhig. Aber doch: Gefällt. 23 Punkte.
Milan Stankovic – Ovo je Balkan (Serbien)
Einer der Gründe warum der Ruf dieses Wettbewerb mitunter so miserabel ist. Und überhaupt: Wieso haben die Background-Sängerinnen Schluckauf? 1 Punkt.
3+2 – Butterflies (Weißrussland)
Der Song an sich hätte unter einigen (!) Umständen sogar Potenzial, wenn da nicht die Lukaschenko-Marionetten wären. Ne, so nicht. 3 Punkte.
Niamh Kavanagh – It’s For You (Irland)
Kann man schon machen. Gut. Aber warum in aller Welt stehen die Background-Leute da wie zu Stein gewordene Monumente ihrer selbst? 18 Punkte.
Giorgos Alkaios & Friends – OPA (Griechenland)
Ich hatte sowas schon befürchtet. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass sowas im griechischen Fernsehen täglich rauf und runter läuft. Griechen mögen das, aber der Rest Europas? 7 Punkte.
Josh Dubovie – That Sounds Good To Me (Vereinigtes Königreich)
Der Versuch mit einem massentauglichen Pop-Song zu punkten, scheitert in diesem Fall am eher unterdurchschnittlichen Sänger. 8 Punkte.
Sofia Nizharadze – Shine (Georgien)
Doch funktioniert. Auch wenn es dann in der Summe ein paar zu lang gehaltene Töne waren. Zu Celine Dion hätte das aber durchaus auch gepasst. Solide. 16 Punkte.
Manga – We Could Be The Same (Türkei)
Cool. Also ich würde mir das jetzt nicht einfach so anhören, aber könnte durchaus weit vorne landen und dann auch zu Recht. 20 Punkte.
Juliana Pasha – It’s All About You (Albanien)
Hier sehen sie den krampfhaften Versuch ein Geigensolo in einem Song, den ich 2003 ganz gut gefunden hätte, unterzubringen. 2 Punkte.
Hera Björk – Je ne sais quoi (Island)
Nicht schlecht. Ganz gut. 17 Punkte.
Aljoscha – Sweet People (Ukraine)
Aus der Reihe: Outfits von angehenden Modedesignern. Und: Songs, die ich praktisch schon wieder vergessen habe, bevor sie überhaupt zu Ende sind. 5 Punkte.
Jessy Matador – Allez! Ola! Olé! (Frankreich)
Als Lukas den Song mit denen, die auf Dinslakener Volksfesten laufen, verglich, hat er offenbar maßlos untertrieben. Taugt im besten Fall für stark betrunkene Fußballfans zum Mitgrölen. 5 Punkte.
Paula & Ovi – Playing With Fire (Rumänien)
Ein mittelmäßiger Versuch Moderne und Klassik mit ein bisschen Kitsch und Latex zusammenzubringen. 14 Punkte.
The Peter Nalitch Band – Lost And Forgotten (Russland)
Vom Aussehen her könnte das auch die fakultätseigene Band der Münchener Soziologie sein. Musikalisch ist mir das ne Nummer zu Russisch. Was aber erfahrungsgemäß nichts heißen muss. 10 Punkte.
Eva Rivas – Apricot Stone (Armenien)
Also wenn jetzt alle Männer Europas für Armenien anrufen, dann hat sie vermutlich gewonnen. Ich fürchte nur, dass die Seichtigkeit dieses Songs dem Ganzen im Wege steht. 15 Punkte.
Lena – Satellite (Deutschland)
Toll! Wenn jetzt nicht alle für Aserbaidschan anrufen, dann dürfte sie damit ganz gut im Rennen liegen. 25 Punkte.
Filipa Azevedo – Há dias assim (Portugal)
Tja, das war jetzt irgendwie nicht so wirklich was, oder? 6 Punkte.
Harel Skaat – Milim (Israel)
So jetzt gehen mir, wie erwartet, die Punkte an der unteren Skala aus. Aber da das Finale des Songs dann gesanglich doch was hatte, vergebe ich: 12 Punkte.
Chanée & N’evergreen – In A Moment Like This (Dänemark)
Prinz Eisenherz und Alice im Wunderland beenden einen musikalisch doch nicht so schlechten Abend mit einem schönen, wenngleich auch etwas überkandidelten Duett. 22 Punkte.
***
22:55 Uhr: Puh, das war jetzt stressiger als ich mir das vorgestellt hatte.
23:08 Uhr: Es folgt: Der eigentliche Grund wieso wir uns das immer wieder anschauen.
23:13 Uhr: Coole Idee Europa einmal gemeinsam tanzen zu lassen. Aber auch wenn der tanzende Matt wohl das Vorbild war, so gut wie das Original war es dann doch nicht.
23:24 Uhr: Svante Stockelius, eine Name wie aus Harry Potter. Sieht aber aus wie der zukünftige hessische Ministerpräsident.
23:56 Uhr: Lena hat gewonnen. Gratulation, das war verdient! Aber nicht übertreiben jetzt, ja?
00:06 Uhr: Viele Dank übrigens auch für das rege Interesse an diesem Liveblogging. Wenn ich den Traffic so anschaue, bin ich ein bisschen überwältigt.
00:19 Uhr: Gute Nacht und bis zum nächsten Jahr.
Endergebnis
| Platzierung | Tatsächliche Platzierung | Meine Platzierung |
|---|---|---|
| 1 | Deutschland | Deutschland |
| 2 | Türkei | Aserbaidschan |
| 3 | Rumänien | Belgien |
| 4 | Dänemark | Dänemark |
| 5 | Aserbaidschan | Türkei |
| 6 | Belgien | Zypern |
| 7 | Armenien | Irland |
| 8 | Griechenland | Island |
| 9 | Georgien | Georgien |
| 10 | Ukraine | Armenien |
| 11 | Russland | Rumänien |
| 12 | Frankreich | Norwegen |
| 13 | Serbien | Israel |
| 14 | Israel | Bosnien & Herzegowina |
| 15 | Spanien | Russland |
| 16 | Albanien | Spanien |
| 17 | Bosnien & Herzegowina | Vereinigtes Königreich |
| 18 | Portugal | Griechenland |
| 19 | Island | Portugal |
| 20 | Norwegen | Ukraine |
| 21 | Zypern | Frankreich |
| 22 | Moldawien | Moldawien |
| 23 | Irland | Weißrussland |
| 24 | Weißrussland | Albanien |
| 25 | Vereinigtes Königreich | Serbien |

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Tom Dice – warum hat den noch niemand erwähnt?!
Konnte ja niemand wissen, dass deine musikalischen Idole mitmachen.
zum Thema Josh Dubovie, die Backgroundsängerinnen waren ja auch nicht gerade der Brüller, frei nach Bohlen “jeden Ton versemmelt”
Ich werde keinen Versuch unternehmen dir zu widersprechen. Ergo: Stimmt natürlich.
Was die 12 Punkte aus Deutschland angeht: da bin ich unschuldig!