Akt I: Die Sonne scheint
Szene I: Kein Bock mich zu bewegen
Um acht Uhr morgens klingelt der Wecker und meine Motivation gleich in den Zug zu steigen um 400 Kilometer zu fahren, ist quasi nicht vorhanden. Nach dem Frühstück und der Dusche ein Blick auf die Uhr. Mist. Keine Zeit mehr mich zu rasieren. Ich sehe aus wie der letzte Idiot. Egal. Schnell los um den Bus zum Bahnhof noch zu erwischen.
Szene II: Ich geh da nicht mehr hin
Ich bin seit drei Stunden unterwegs und komplett übermüdet. Mich beschleichen die ersten Zweifel. Es hieß zwar, dass es noch eine Abendkasse geben soll, aber eine Garantie dafür konnte mir keiner geben. Die Temperaturen im Regionalexpress sorgen für einen Saugfähigkeitstest meines T-Shirts. Ich will wieder in mein Bett. Egal. Schnell los um den Anschlusszug noch zu erwischen. (Hat nicht geklappt. Das hat mich dann zwei Stunden und meine gute Laune gekostet)
Szene III: Findest die Landschaft schön. Die Wälder und die Seen
Jetzt hält mich nur noch der pure Trotz im Zug. Allerdings ist die Bahnstrecke zwischen Hannover und Dessau echt schön und meine Stimmung bessert sich zusehends. Eine Stunde vor der Ankunft stellt sich auch endlich die positive Nervosität ein, die ich vor jedem Konzert habe.
Dann kommt das Gelände des Melt! in Sicht und die Strapazen der Fahrt sind sofort vergessen. Nie habe ich so schönes Festivalgelände gesehen.
Akt II: Everybody chill out
Szene I: Viel zu spät wie immer
Wie oben bereits angedeutet, habe ich darauf spekuliert, dass es eine Abendkasse gibt. Nach einer Stunde warten vor dem verschlossenen Kassenhaus stellte sich heraus, dass am Nachmittag die letzten Karten online verkauft wurden. Scheiße. Ich bin grad nicht wirklich 400km in viel zu heißen Zügen gefahren, um jetzt nicht reinzukommen, oder? Hilfe von, durch viele Konzertbesuche, “erarbeiteten” Connections zu ein paar Künstlern des Labels konnte ich auch vergessen, da die Regeln des Festivals so streng sind, dass selbst die Bands keine Leute nachträglich reinschmuggeln dürfen.
Szene II: Ich will lieber tanzen gehen
Wie man auf dem Bild gut sehen kann, ist ein direkt an dem Gelände ein See. Also rein in das Wasser und versuchen an der Security vorbeizuwaten. Ich war schon an der Kontrolle vorbei und bis zum Bauch im Wasser (voll bekleidet wohlgemerkt), als eine der Sicherheitskräfte mich sieht und mich freundlich, aber doch bestimmt, darauf hinweist mein Vorhaben doch bitte sein zu lassen.
Gut. Jetzt bin ich komplett durchnässt und noch nicht weiter als Vorher. Glücklicherweise gibt es noch einen Weg über Gleise und eine Straße, der durch viel Gestrüpp führt, aber frei von Aufsehern ist.
Total zerkratzt und überglücklich steh ich schließlich im Zelt. Endlich. Jetzt kanns losgehen.
Akt III: Raven gegen Deutschland
Szene I: Die Auswendigen Muster
Nachdem Labelchef Lars Lewerenz eine Zeit lang aufgelegt hat, betreten Bratze die Bühne. Alleine dieses Jahr ist es das vierte Mal, dass ich diese Band sehe. Bei Bratze handelt es sich um den Indiekünstler Clickclickdecker (Siehe die Kommentare hier) und der Tante Renate (Solo mit instrumentalem Elektro unterwegs. Treffende Beschreibung: Techno für Menschen, die keinen Techno mögen).
Mit ihrer aktuellen LP haben sie das Album des Jahres abgeliefert und ich bin der Meinung, dass die beiden das intelligenteste Musikprojekt der letzten Jahre geschaffen haben. Und auch live gehören sie zu den Besten ihres Fachs.
Bratze gehen von der Bühne und jetzt ist nur die Hose, sondern auch das Shirt nass. Ein gutes Zeichen.
Szene II: Ravepunk für eine bessere Welt
Direkt nach Bratze betreten Saalschutz die Bühne. Die beiden Schweizer habe ich nie zuvor live gesehen und auch sonst läuft die Band bei mir eigentlich eher unterhalb des Radars. Nachdem sie erstmal schön zeigen, dass die Boxen auf einem Festival auch 10 Hertz problemlos erreichen, fangen sie dann auch gleich richtig an. Als Intro läuft the Final Countdown. Die Band kann also gar nicht schlecht sein. Nach spätestens der Hälfte des Konzerts wird mir klar, dass ich Saalschutz im Auge behalten muss. Verdammt sind die genial.
Meine Hose, die zwischendurch fast wieder trocken war, ist nun auch wieder klitschnass. Ich mache mir Sorgen ob ich das bis zum Ende durchstehe. Inzwischen ist es immerhin 0:00 Uhr.
Szene III: Wer wird denn rumstehen?
Jetzt betreten Egotronic die Bühne und die Masse beginnt zu raven. Gleich als zweites Lied spielen sie ihr wohl bekanntestes Lied Raven gegen Deutschland und danach das politisch ähnliche Kotzen. Die 3000 Menschen im Zelt gehen ab als gäbe es kein Morgen. Nach den beiden Liedern stellt sich heraus, dass ein vom Melt! arrangierter Security eher dem rechten Spektrum angehört und meint, uns anpöbeln zu müssen. Schlau solche Kommentare zu bringen, wenn das Zelt voll Autonomer und Antideutscher wimmelt. Hat er dann aber auch festgestellt und sich kleinlaut nach außen verzogen. Wir haben erstmal die Nummer notiert um ihn beim Veranstalter zu melden. Will ja keiner einen Nazi mit seinen Eintrittsgeldern finanzieren.
Der Rest vom Konzert verläuft erfahrungsgemäß und typisch für Egotronic: super. Inzwischen bin ich kurz vorm Umkippen, sehe aber nicht ein, so kurz vor Schluss aufzugeben.
Szene IV: Das Basslaster drischt bis zum Puppillendrill
Nun ist es an der Zeit für die bekannteste Band von Audiolith. Frittenbude betreten die Bühne und das Publikum demonstriert seine Zuneigung, indem es mir einen Tinnitus ins Ohr brüllt. Die Fritten lassen sich kein zweites Mal bitten und steigen mit ihrem Song Hildegard gleich richtig ein. Das Publikum droht komplett auszurasten und ich mache mir schon Sorgen. Immerhin wurde ihr Konzert auf dem Hurricane durch die Polizei beendet, nachdem keiner mehr für die Sicherheit des Publikums garantieren konnte. Als dann der Remix von Raven gegen Deutschland angestimmt wird fällt mein Blick auf den Security. Sein Gesicht ist so verzogen, dass ich mich vor lachen kaum einbekomme. Gut so.
Am Ende des Konzerts sind meine Klamotten so nass, als wäre ich durch den See getaucht. Was ein Abend. Die Eskapade mit dem Heimweg erspare ich euch jetzt.
Einen Tipp habe ich noch: Solle eine Audiolithband eures Weges kommen, seht sie euch an. Ihr werdet nicht enttäuscht werden.
* Die Überschriften sind entweder Songnamen oder Lyrics der Bands die da an diesem Abend gespielt haben. Die einzelnen Konzertberichte sind gekürzt, da es sonst zu viel zu lesen wäre.


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Hm. Ich würde aber gerne was über die Heimfahrt-Eskapade lesen
Naja. Es ist nur zu einer Eskapade geworden, weil ich ich mal wieder keine Lust auf Organisation hatte. Ich wusste also nicht, wann der nächste Zug fährt oder wo überhaupt der Bahnhof ist. Zudem musste ich feststellen, das Fußwege über drei Kilometer mit komplett durchnässten Füßen nicht gut für selbige sind. Und dass man doof angeguckt wird, wenn man auf der Bank beim Bahnhof barfuß schlaft.