Landshut, Bayern

Ich wohne nun seit knapp zwei Jahren in Bayern, in der Landeshauptstadt München. Das ist Segen und Fluch zugleich: Einerseits kann ich hier alles erledigen und brauche mich dazu kaum vom Fleck bewegen. Andererseits läuft man Gefahr, den Blick auf das Ganze zu verlieren und sich zu sehr in der Stadt einzurichten. Und da mir dieser Umstand neulich wie Schuppen von den Augen fiel, hab ich mich entschlossen das zukünftig zu ändern und ab und zu einfach mal in die Provinz zu fahren. Gestern nun sollte es also losgehen. Erste Station war das idyllische, niederbayerische Landshut. Und natürlich hatte ich auch einen Foto dabei.

Allgegenwärtig in Landshut ist die Isar. Wer vom Hauptbahnhof herkommt, überquert zunächst eine Flutmulde und einige hundert Meter später dann den Fluss selbst, der sich in der Stadtmitte wiederum in zwei Teile teilt und ganz grundsätzlich den historischen Teil der Stadt vom Rest trennt.

Landshut ist eine sehr weitläufige Stadt. Das äußert sich nicht nur darin, dass man um vom Hauptbahnhof in die Innenstadt zu kommen, rund eine halbe Stunde zu Fuß unterwegs ist, sondern auch in den zahlreichen begrünten Anlagen, die die Stadt besitzt.

Architektonisch sehenswert ist die St. Martinskirche, deren Turm mit 130 Metern der höchste Backsteinturm der Welt und außerdem der höchste Kirchturm im christlich geprägten Bayern ist. Der gotische Baustil verstärkt den durch die schiere Größe bedingten monumentalen Eindruck des Gebäudes noch. Und das schreibt Einer, der in unmittelbarer Nachbarschaft zum höchsten Kirchturm der Welt aufgewachsen ist.

Ein so gigantisches Bauwerk wurde natürlich nicht zufällig in Landshut errichtet. Hintergrund ist folgender: Landshut war über Jahrhunderte der Sitz der Wittelsbacher und fuhr damit auch aus ökonomischer Sicht ganz gut. Da war ein würdiges Gotteshaus nur eine Frage der Selbstverständlichkeit.

Die eben erwähnten Wittelsbacher residierten in der Burg Trausnitz, die praktisch von überall ersichtlich hoch über der Altstadt thront und überhaupt nicht von Touristen überlaufen ist. Also das mein ich ganz ehrlich. In der Regel ist es ja so, dass solche Sehenswürdigkeiten an Sonntagnachmittagen von allen erdenklichen Gesellschaftsgruppen als Ausflugsziel angesteuert werden. Anders in Landshut: Selbst auf der Terrasse der Burschänke war bei bestem Wetter, bester Aussicht und bestem Bier noch reichlich Platz. Und das obwohl die Terrasse nicht mal sonderlich groß ist.

Beer Fact: Das erste bayerische Hofbräuhaus wurde 1573 in der Burg errichtet, bereits kurze Zeit später wurde das Bierbrauen dann aber nach München in das extra dafür gebaute Pendant verlagert. But don’t tell the Aussies.

Ich hatte es bereits weiter oben kurz erwähnt: Wirtschaftlich war Landshut bis zum heutigen Tag immer stark. Laut einer Studie von “Focus Money” soll Landshut sogar die zweitstärkste Wirtschaftskraft Deutschlands besitzen. Kein Wunder: Wer Unternehmer hat, die Spielothek, Waschsalon, DVD-Verleih und Sonnenstudio unter einen Hut kriegen, hat sonst wohl auch keine Probleme. Etwa mit dem größten Arbeitgeber vor Ort: BMW.

Und selbst wenn in der Innenstadt dann mal eines der zahlreichen Einzelhandelsgeschäfte leer steht, hat das irgendwie Flair.

Achja und die spannende Frage, was eigentlich die Landshuter Jugend so macht, kann damit auch als geklärt angesehen werden.

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Über den Verfasser

Pascal Paukner wohnt in München. Denkt seit er schreiben kann. Interessiert sich für Popkultur, Politik und Medien. Bereits seine Kindergärtnerin sagte ihm nach, er hätte ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden. Dennoch ist aus ihm kein Jurastudent geworden. Stattdessen Politik und Kommunikation.



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