Omas Teich 2010

Omas Teich 2010

Omas Teich ist ein kleines Festival im Herzen Ostfrieslands, das sich aber über die letzten Jahre einen hervorragenden Ruf erarbeitet hat, da es zu verhältnismäßig niedrigen Preisen ein Aufgebot an Bands hat, das sich auch mit weitaus größeren Festivals messen lassen kann. Seit jeher ist die Mischung von bekannten und unbekannten Bands eine Stärke des Festivals. So waren dieses Jahr mit Kettcar, Fettes Brot, Nada Surf und Biffy Clyro Künstler vertreten, die national und auch international eine hohe Bedeutung haben. Andererseits wurden mit Captain Planet, Antitainment, Trip Fontaine und Beat!Beat!Beat! auch die Freunde kleiner Bands, die in der jeweiligen Szene einen ausgezeichneten Ruf haben, zufrieden gestellt. Der Tatsache, dass dieses Jahr praktisch kein Festival ohne Bands von Audiolith auskommt, wurde mit Frittenbude, Supershirt und einem Audiolith Pferdemarkt mit Ira Atari & Rampue, JA!KOB (alias »das Basslaster« von Frittenbude) und Krink Rechnung getragen.  Jedoch ging auch an Omas Teich der Trend zur Kommerzialisierung von Festivals nicht spurlos vorbei. Der Eintrittspreis für zwei Tage war mit 55€ gerade noch im Rahmen des Fairen – dass jedoch auf das Festivalgelände keine TetraPaks mitgenommen werden durften und man so gezwungen war, die horrenden Preise am Bierwagen zu zahlen, sollte sich im nächsten Jahr dringend wieder ändern.

Frittenbude

Das Frittenbude das Zugpferd des momentanen Hypes um Audiolith ist merkt man daran, dass während des Konzerts um einen herum ein Haufen 14-Jähriger kreischender Mädchen steht. Spätestens aber seit dem Abbruch des Konzerts wegen Überfüllung auf dem diesjährigen Hurricane ist das auch bei den Festival-Veranstaltern angekommen. So wurden Frittenbude von ihrem nächtlichen Platz im Zelt auf die Hauptbühne verlegt und hatten die Ehre Omas Teich 2010 zu eröffnen. Die Band wirkte im Gegensatz zur Ravemeisterschaft in Bremen und dem Pferdemarkt beim Melt! ein wenig unmotiviert. Leider war der Mischer offenbar etwas mit der Technik überfordert und so klang alles ein wenig leise – die Instrumente überlagerten den Gesang zu sehr. Das tat der Stimmung jedoch keinen Abbruch und alles in allem war es ein sehr solides, wenn auch kein überragendes Konzert.

(Lieblingslied: Mindestens in 1000 Jahren – Direktlink)

Captain Planet

Die für mich neben Kettcar wichtigste Band des Festivals. Um auch ja den Anfang von Captain Planet nicht zu verpassen, habe ich sogar auf die letzten zwei Lieder von Frittenbude verzichtet – und die Entscheidung nicht bereut. Nach dem Ende von Muff Potter sind Captain Planet wahrscheinlich die beste deutschsprachige Punkband, die momentan existiert. Und an dem gut gefüllten Zelt konnte man gut erkennen, dass ich nicht der Einzige bin, der so denkt. Der Ton war für ein Zelt extrem gut abgemischt und es war eines der besten Konzerte, die ich bis jetzt überhaupt auf einen Festival erlebt habe. Auch die Band hatte sichtlich viel Spaß und Sänger Arne konnte seine Texte wie gewohnt emotional und überzeugend vermitteln. Captain Planet sind live einfach Pflicht.

(Lieblingslied: Baumhaus – Direktlink)

Kettcar

Beste deutschsprachige Band. Letztes Konzert von Drummer Frank Tirado Rosales, der schon zu …But-Alive-Zeiten mit Marcus Wiebusch zusammen in einer Band spielte. Eigentlich ist damit genug gesagt. Gänsehaut. Bei »Balu« alle Menschen vor der Bühne den Tränen nahe. Dreimal für Zugaben wieder auf die Bühne. Oder um es kurz zu sagen: Es war einfach unglaublich. Das einzig störende bei dem Konzert war, dass irgendwelche Vollidioten meinten in den Liedern total rumgröhlen zu müssen und so ein wenig die Atmosphäre, der doch eher ruhigen Songs vermiesten. Ohnehin habe ich das Gefühl, dass der Aufmerksamkeitsbedarf bestimmter Menschen immer mehr zunimmt und bei jedem Konzert beliebiger Scheiß gebrüllt wird, nur um beachtet zu werden.

(Lieblingslied: 48 Stunden – Direktlink)

Audiolith Pferdemarkt

Als Aftershow für Freitag Abend übernahm die Audiolith-Crew um Labelchef Lars Lewerenz das Zelt. Da es sich jedoch alles verzögert hatte und aufgrund einer Klage dreier Anwohner eine Sperrstunde für 03:00 Uhr herrschte, konnte Lars leider nicht mehr auflegen und es ging direkt mit Ira Atari & Rampue los. Zumindest war das der Plan. Nach einem Lied wurde jedoch klar, wo das große Problem elektronischer Musik ist: Technik kaputt, Konzert abgebrochen. Ägerlich, kann aber mal passieren. Gut, dass noch Krink und JA!KOB bereitstanden um den Abend zu retten. Ziemlich schnell wurde klar, dass die beiden ein super Team sind und zu den Besten ihres Fachs gehören. Die Stimmung war umwerfend und der Alkoholpegel der Beteiligten entsprechend. Lars turnte durch die Gegend und die Security verzweifelte an ihm und sah aus, als würden sie ihm eins aufs Maul hauen wollen. Das war wiederum so lustig, dass alle Leute sich vor lachen kaum einbekommen haben. Leider waren die 2,5 Stunden schnell vorbei und das Omas Teich 2010 für mich zu Ende. Und nächstes Jahr werde ich wieder da sein. Eines der besten Festivals in Deutschland.

(Das Basslaster & Ira Atari – Disaster – Direktlink)


(Krink – Plastyk – Direktlink)

Ira Atari & Rampue – Dance In The Rain (Official Video) from Audiolith Records on Vimeo.

Über den Verfasser

Hagen Terschüren kommt aus der Nähe von Oldenburg und nutzt seine unablässige Unruhe und Neugier dazu aus alles zu hinterfragen, was er nicht versteht - sei es Politik, die Berichterstattung darüber oder auch ein Technikthema. Außerdem gibt es bei ihm eigentlich keine Zeit, in der keine Musik läuft.



2 Kommentare


  1. Klingt total gut. Ich glaube, nächstes Jahr will ich auch hin.

  2. Es ist auch ein wirklich schönes Festival.

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