Zuhause

Ich bin in einem Alter, in dem man häufiger Sätze hört wie: »Ich bin zuhause ausgezogen«. Dabei werde ich immer stutzig. Die Benutzung des Wortes »zuhause« ist für viele Personen selbstverständlich. Mir kommt es nur selten über die Lippen. Zwar ist die offizielle Bedeutung des kleinen Wörtchens nur die Bezeichnung des aktuellen Wohnortes, doch eigentlich ist so viel mehr als das. Zuhause – in diesen drei Silben schwingt dermaßen viel Emotion mit. Man verbindet damit etwas. Es ist ähnlich wie das Wort Heimat. Zumindest sollte es so sein.

Die meisten Personen benutzen das Wort beiläufig. Die wahre Bedeutung kann jedoch nur derjenige herausfinden, der beide Zustände kennt. Damit meine ich keine Obdachlosigkeit. Ich verbrachte fast mein ganzes Leben an Orten, die für mich kein Zuhause waren. Ich habe keinerlei emotionale Verbindung zu diesen Plätzen. Sie sind warm und ich kann dort schlafen. Dann lernte ich jedoch jemanden kennen und wir zogen zusammen. Nach einiger Zeit fiel mir auf, dass ich das Wort »zuhause« benutzte ohne mich dabei unwohl zu fühlen. Mehr noch. Nachdem ich mir dieses Umstands bewusst wurde, ist mir erst klargeworden in welcher Tristesse ich mein Leben verbrachte. Ich kam gerne nach Hause. Ich fühlte mich wohl. Ich lebte nicht nur dort, ich liebte dort.  Ich lachte. Und als es zu Ende war, weinte ich. Ich verstand, dass ich das einzige Zuhause verlor, das ich jemals hatte. Doch das quitschende Bett aus dem Zimmer nebenan und die lachenden Stimmen hatten nichts mehr mit mir zu tun. Ich gehörte dort nicht mehr hin. Doch wohin gehört man? Ich machte mich wieder auf den Weg ein Zuhause zu finden.  Und der Schmerz kein Zuhause zu haben, ist nun ein tatsächlicher. Denn nun kenne ich den Unterschied. Und das alles durch ein kleines, dreisilbiges Wort. Es bedeutet in der offiziellen Beschreibung nichts, meint aber in der Realität alles.

(Foto von Aleera* unter dieser CC-Lizenz.)

Über den Verfasser

Hagen Terschüren kommt aus der Nähe von Oldenburg und nutzt seine unablässige Unruhe und Neugier dazu aus alles zu hinterfragen, was er nicht versteht - sei es Politik, die Berichterstattung darüber oder auch ein Technikthema. Außerdem gibt es bei ihm eigentlich keine Zeit, in der keine Musik läuft.



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