Survivalism

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Manchmal gibt es Momente in denen ich Menschen abgrundtief hasse. Frei nach Agent K bemerke ich dann wieder, dass ein Mensch zwar ganz vernünftig sein kann, diese Vernunft in größeren Menschenmassen aber einzig und allein auf die eigenen Lebensfunktionen reduziert wird. Anders ist mir diese offensichtliche öffentliche Dummheit nicht zu erklären.

Das erste Beispiel stammt aus meinem Uni-Alltag. Der Campus selbst ist recht groß, die Wege dorthin und nach Hause werden besonders zur kalten und nassen Jahreszeit sehr gern mit dem Bus zurückgelegt. Von allen. Gleichzeitig. Deshalb gibt es folgendes Phänomen an jeder Bushaltestelle zu sehen: Der Bus hält an, die Türen gehen auf, kein Mensch rührt auch nur einen Muskel. Die fünf Idioten, die im Eingangsbereich stehen checken nicht, dass sie ihren Arsch vielleicht in den Gang bewegen müssten, damit die dreitausend Zusteiger in den Bus passen. Also steht der Bus erstmal fünf Minuten bevor es weitergeht. Raketenwissenschaft im Alltag.

Das zweite Beispiel findet sich ebenfalls auf dem Campus, aber auch gern an Bahnhöfen oder Kaufhäusern. Menschenmassen können einfach keine Räume vernünftig verlassen. Egal ob Bus, Rolltreppe, oder Geschäft: Die Tür geht auf, die Treppe hält an, ein einziger Schritt in die Freiheit und – stehenbleiben. Jeder Trottel denkt mal wieder nur an sich und vergisst den völlig stickigen und überfüllten Fahrstuhlinhalt in seinem Rücken. Zum Kotzen ist das. Als ob ein weiterer Schritt nach dem Befreiungsschlag so ein großes Problem wäre. Die Königsdisziplin dieser Dummheit ist aber das absichtliche Blockieren von Nadelöhren: Arschgesicht Nummer 1 trifft auf Hackfresse Nummer 2 und entscheidet sich in der völlig überfüllten Mensa genau am Treppenende über das unwichtigste Thema der Welt zu unterhalten. “Hey, was machst du denn…” – Schnauze und weg da!

Das dritte und letzte Beispiel betrifft ebenfalls die Schnarchnasen an meiner Uni. Hörsäle sind manchmal eine recht große Angelegenheit und manche Arschkriecher müssen schon drei Tage vor Vorlesungsbeginn ihre Plätze reservieren. Damit könnte ich ja leben, wenn diese Vollpfosten nicht direkt am Gang sitzen müssten und man als meist pünktlicher Mensch sich an genau diesen Ärschen vorbeischieben muss, um nicht 90 Minuten lang auf dem Boden sitzen zu müssen. Natürlich ist es konsequent von Leuten, die nur einen Meter über ihren eigenen Horizont hinausdenken, eben jenen Meter nicht weiterzurücken.

Man verstehe mich nicht falsch. Ich mag Menschen und kann mit großen Augen über die schier unendliche Zahl an spannenden Individuen auf diesem kleinen Planeten staunen. Wenn sich diese Individuen dann aber in der Öffentlichkeit zum kollektiven Herumstehen-und-Verstandausschalten treffen, dann möchte ich am liebsten fußaufwärts in so manche Magengegenden fallen!

(Titelbild von osde8info unter dieser Lizenz)

Über den Verfasser

kommt aus dem hohen Norden. Geboren an der Westküste, studiert an der Ostküste und fühlt sich seit jeher im Netz zu Hause. Denkt gerne über Gründe nach, deshalb studiert er Philosophie. Spielt gern mit Technik herum, deshalb studiert er Informatik.



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