Wir schreiben uns eine Eurokrise


Ein Thema ist heutzutage in aller Munde – EHEC. Doch darum soll es gar nicht gehen. Denn wirklich relevant sind momentan meiner Meinung nach nur zwei Dinge – der Atomausstieg und die Eurokrise. Zum Atomausstieg muss ich nicht viel sagen, jeder Mensch, der nicht dafür ist hat nicht mehr alle Latten am Zaun. Und die 20 Milliarden Euro, die dabei angeblich als Kosten entstehen sollen: Gucken wir doch einfach nur, was wir für andere Dinge ausgeben. 20 Milliarden sind Peanuts. Selbst wenn es das sechsfache kosten sollte, sind die zu leistenden Ausgaben geringer als die, die wir momentan durch Endlagerung und Castortransport haben. Vom Risiko ganz zu schweigen.

Bleibt noch ein Thema: Die Eurokrise. Ungefähr zu meiner Geburt versuchten diverse EU-Länder auch längerfristig eine Währungsunion zu bilden, die eine Währung hervorbringt, die mit dem Dollar konkurrieren kann. (Das Problem, dass Währungen größtenteils auf gutem Glauben basieren lasse ich jetzt außen vor, die Regierungschefs haben das ja noch nicht verstanden.) Die Taktik ging auf – zwischenzeitlich war der Euro so unglaublich stark, dass sich Supermodels und Drogenbosse nicht mehr in Dollars bezahlt werden wollten. Doch nun kommt die Eurokrise. Schuld sind Griechenland und Portugal, das wissen wir ja nun dank der Bild. Doch gucken wir uns das näher an. Die Löhne in allen EU-Staaten sind in den letzten 10 Jahren erheblich gestiegen. Entschuldigung, nicht in allen. Deutschland macht da nicht mit. Warum auch, es ist ja viel einfacher, die Exportnation Nummer eins zu bleiben, wenn man verhältnismäßig wenig an Angestellte zahlen muss. Es klingt ja erstmal vernünftig, wenn Deutschland den eigenen Export ankurbelt. Doch wie schädlich ein Alleingang in einem Team ist, hat jeder von uns schon bei Gruppenreferaten in der Schule gelernt. Der eine steht super da, hat am Schluss die Topnoten und wo der Rest von der Gruppe bleibt ist egal. Als wenn das nicht schon schlimm genug wäre, gibt der Topschüler dem Rest des Teams auch noch die Schuld, dass es keine 15 Punkte gab. Das ist schon in der Schule nicht schön, aber wen man dieses Spiel auf Nationenebene spielt, dann sind Menschenleben in Gefahr. Und genau das macht unsere Bundeskanzlerin gerade. Sie lügt, wie es einst Ursula von der Leyen mit der Kinderpornographieerlaubnis in Indien tat. Merkel sagt, dass die Griechen faul sind . Alle Fakten, die sie zum Untermauern dieser Thesen nutze sind jedoch nicht nachweisbar. Merkel ist aber nicht nur die Topschülerin, sie ist gleichzeitig eine der Lehrkräfte, die für die Benotung zuständig ist. Was nun passiert, ist schlecht für die eigene Währung: Durch die Kritik von der Bundeskanzlerin und anderen Staatsoberhäuptern wird die Kreditwürdigkeit Griechenlands immer fragwürdiger. Keiner will der Nation mehr Geld leihen. Nun müssen die Euroländer einspringen um den Griechen zu helfen. Entgegen der Angaben in der Bild wird das Geld jedoch nicht verschenkt, sondern verzinst verliehen. Am Schluss kann Deutschland damit also Geld verdienen. Aber auch das ist noch nicht der Clou an der Sache. Durch diese Stütze um den Euro am Leben zu erhalten, sinkt der gesamte Wert der Währung massiv. Das bedeutet, dass es für das Ausland erheblich günstiger wird europäische Ware zu kaufen. Wer ist die größte Exportnation Europas? Genau, Deutschland. Also verdienen “wir”doppelt mit den selbst herbeigeredeten Staatspleiten von Griechenland, Portugal und vielleicht noch Irland.

Natürlich ist das alles eine Verschwörungstheorie. Ich kann nicht garantieren, dass das alles wirklich mit Absicht geschieht. Das ist aber auch nicht relevant, die Konsequenzen sind nämlich gleich geblieben. Gewinner der “Eurokrise” ist Deutschland.

(Titelbild von Images_of_Money unter dieser CC-Lizenz)

Privacy-Spacken

Ich will mich hier in der Post-Privacy-Diskussion auf keine Seite begeben, denn ich denke, dass nur ein Mittelweg der richtige sein kann.  Ich kann mich aber jedoch sehrwohl aufregen. Und zwar über die selbsternannte Privacy-Fraktion. Da erlaubte sich Constanze Kurz (immerhin Sprecherin des CCC) die andere Seite einfach als Spacken zu bezeichnen. Ich will gar nicht weiter darauf eingehen, dass mit diesem Wort sogar Minderheiten diskriminiert werden, aber Menschen, die anderer Meinung sind als man selber, zu beleidigen schadet dem ganzen Diskurs. Gesellschaftlich kommen wir nur weiter, wenn es mindestens zwei Seiten zu einem Thema gibt, denn nur so gibt es genügend Reibungsfläche um sich weiterzuentwickeln.

Ein Diskurs hört sich in meinen Augen so an. Gruppe X, sagt, dass der momentane Zustand A aus den Gründen 1,2 und 3 nicht weiter tragbar sei. Das hört Gruppe A und sagt, dass Gruppe X aus den Gründen 7,8 und 9 falsch liegt. Entweder ist eine der Gruppen so überzeugend, dass ihr voll Recht gegeben wird, oder sie einigen sich mit den Argumenten 4,5 und 6 auf einen Zustand, der irgendwo zwischen A und X liegt.

Wenn aber plötzlich eine Gruppe dazu übergeht, die andere zu beleidigen, scheinen ihr die Argumente auszugehen. Und dies scheint immer häufiger der Fall zu sein. Denn nun fängt auch Linus Neumann auf Netzpolitik.org damit an, auf die andere Seite einzudreschen. Nun habe ich die Podcasts gehört, die er da thematisiert. Und gerade die Fanboys, gehen durchaus kritisch mit dem Thema um. Ich bin nicht mit ihnen einer Meinung, aber ich könnte anhand von Argumenten mit ihnen darüber diskutieren. Wenn ich aber lieber jemanden beleidigen will, dann brauche ich mich nicht zu wundern, wenn kein brauchbarer Diskurs zustande kommt.

Man könnte jetzt meinen »Okay, ich will ja gar keinen Diskurs mit den Spacken.« – Falsch, denn wenn wenn man einfach anfängt, sich wie ein 16-Jähriger Skinhead auf Koks und Wein zu benehmen und einfach wild um sich pöbelt, dann hat man verloren. Zumindest in der Außenwahrnehmung. Hinzu kommen die Rollen, die die Pöbler einnehmen. Constanze Kurz ist Sprecherin des CCC. Linus Neumann schrieb seine Hetze auf Netzpolitik.org, einer Plattform von Markus Beckedahl, der gerade mit der Digitalen Gesellschaft einen Lobbyverband gegründet hat, der Netzinteressen vertreten soll. Wie aber soll ich mich mit diesen Organisationen verbunden fühlen, wenn sie sich Leute in den eigenen Reihen leisten, die sich nicht einmal an Grundregeln was Benehmen angeht halten können? Oder um Worte zu verwenden, wie sie aus den Mündern von Kurz und Neumann kommen könnten: Wie kann ich die SPD noch wählen, wenn sie einen Sarrazin nicht rauswirft?

Just a Thought

Ich weiß nicht, ob es an mir liegt oder meine Beobachtungen doch zutreffen. Ich kann nur schwer mit dem Finger drauf zagen und sagen, wo das Problem liegt. Noch weniger kann ich den Grund dieses Gedankens ausmachen. Und am allerwenigsten kann ich in einem catchy Stichwort beschreiben was ich meine.

Aber ich habe da so ein Gefühl. Mein Gefühl sagt mir, dass wir Deutschen popkulturelle Schlappschwänze sind. Vielleicht mag es daran liegen, dass ich meine popkulturellen Referenzen seit Ewigkeiten nicht mehr aus dem deutschen Fernsehen beziehe. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass es dort gar keine (mehr) gibt? Wie gesagt, ich kann nur schwer mit dem Finger drauf zeigen, aber ich kann ein paar Geschichten erzählen.

Die erste Geschichte passierte vor rund einer Woche, als Twitter sein fünften Geburtstag feierte. Während Twitter-Gründer im amerikanischen Late-Night auftreten, brüskiert sich die deutsche Presse über den twitternden Regierungssprecher. Ich will damit nicht sagen, dass wir in Deutschland unter einem Stein leben und keine Ahnung von Twitter haben. Ich will damit nur sagen, dass wir in Deutschland hinter dem Mond leben und keine Ahnung vom Internet haben. Während jenseits des großen Teichs Filme über Facebook gedreht werden (und auch noch hervorragend sind!) versucht man im deutschen Fernsehen mit hippen “Touchscreen”-Schwindeleien den Zuschauer zu verarschen.

Die zweite Geschichte hat ihren Ursprung ebenfalls im Late-Night. Während Conan O’Brien im Studio eine Real-Life-Version von Angry Birds spielt und die YouTube-Kultur parodiert, wird in Deutschland YouTube ad absurdum geführt. Und überhaupt, warum haben die Amis so viele Late-Night-Shows, in denen zu allem Überfluss auch noch Videospiel-Entwickler die neusten Blockbuster vorführen, während wir Harald Schmidt seit Jahren beim rentnern zuschauen und parallel noch immer Videospiele als Teufelszeug verteufeln?

Die dritte Geschichte bezieht sich auf das deutsche Fernsehen als Ganzes bzw. auf die Unfähigkeit eigene Formate zu entwickeln. Ich kenne kein Format außer “Genial Daneben”, “Dittsche” und vielleicht, mit geschlossenen Augen und Ohren noch “Wetten dass…?” das in irgendeiner Weise seinen Ursprung in Deutschland hätte. Alles, was wir hier im Fernsehen gucken vermeiden ist furchtbar unoriginell.

Vielleicht liegt es ja wirklich nur an mir. Vielleicht habe ich tatsächlich Wahrnehmungsstörungen und lebe zu sehr in meiner eigenen Medienblase. Vielleicht haben wir aber tatsächlich keine popkulturell relevante Medienlandschaft in Deutschland.

Aber ganz hundertprozentigsicher haben wir keine Ahnung vom Internet!

Die Merkelisierung der Medien

Früher waren die Fronten klar. Der Spiegel ist links. Die Zeit auch. Die Welt eher rechts und der Focus noch weiter nach außen. Die taz sprengte die Skala und war Kommunistenblatt. Heute sieht das alles anders aus.

Der Spiegel deckt die politische Mitte ab. Das klingt positiver als es gemeint ist. Dem führenden Nachrichtenmagazin in diesem Land ist jegliches Profil abhanden gekommen. Bissige Fragen bei Interviews finden nicht statt, bei dem WikiLeaks-Skandal sucht sich der Spiegel scheinbar die harmlosesten Depeschen raus und macht dabei sogar noch Übersetzungsfehler. Kurzum: Es wird Gefälligkeitsjournalismus betrieben.

Die Zeit und die Welt haben einen sehr ähnlichen Wandel durchlebt, nur von zwei verschiedenen Seiten. Zwar bleiben die Blätter noch auf ihrer Seite, sind aber sehr weit an die Mitte herangerückt. So kann jemand aus dem eher rechtsgesinnten Springerlager durchaus mal einen Blick in die Zeit riskieren und als Linker muss man sich nicht schämen auch mal auf einen Artikel aus der Welt zu verweisen.

Nun könnte man ja meinen, dass es sich bei dieser Entwicklung um etwas positives handelt. Die Mitte sollte ja eigentlich der objektivste Standpunkt sein und da journalistische Leitmedien sich ja gerne als unabhängig und überparteilich bezeichnen scheinen sie diesem Ziel immer näher zu kommen. Doch leider bleibt auf diesem Weg etwas zurück – der Journalismus. Früher gab es große Enthüllungen und bei Interviews wurden unbequeme Fragen gestellt, die  manchmal Staatskrisen herbeiführten.

Das ist heute anders. Die Pressevertreter haben Angst nicht zu nächsten Pressekonferenz geladen zu werden, wenn ihre Fragen zu kritisch sind. Nur selten werden noch 50 Menschen an ein Thema gesetzt, wie kürzlich der Spiegel es bei den Botschaftsdepeschen getan hat. Das hängt natürlich auch damit zusammen, dass eine Schärfung des Profils Geld kostet. Man verschließt sich einer breiteren Masse. Doch gleichzeitig wundern sich die großen Verlage, warum ihnen die Auflagen wegbrechen und so viele Menschen anfangen Blogs als Nachrichtenquelle zu nutzen. Die Antwort ist ganz einfach. Die subjektiven Texte, die man auf Blogs findet dienen der Meinungsbildung – etwas, wofür früher Spiegel und Co zuständig waren.

In ihrer Angst noch mehr an Auflage einzubüßen wählen die Zeitungen dann lieber einen Weg, der sehr an den von Angela Merkel erinnert. Sie vermeiden klare Aussagen und kontroverse Themen wo sie nur können um für die breite Masse interessant zu bleiben. Dabei halte ich gerade eine zurückkehrende Schärfung der Profile und den »Rückschritt« zu alten Zeiten für unvermeidlich. Denn das Geld der Verlage steckt nicht in dem Verkaufspreis der Zeitung, sondern in der enthaltenden Werbung. Und für eine klarer abgesteckte Zielgruppe lassen sich auch Anzeigen besser optimieren. Google fährt seit Jahren riesige Gewinne dadurch ein, dass sie Werbung zeigen, die relavant für den Konsumenten ist.

Wie sehr sich die Menschen nach einen Sinneswandel zurück wünschen kann man inzwischen gut in den USA beobachten. Dort gelten Sendungen wie die Daily Show von Jon Steward mittlerweile als Nachrichtenquelle, obwohl sie eigentlich linke Satiresendungen sind. Und auch in Deutschland lässt sich ähnliches beobachten.  Kritischen Journalismus erlebe ich in letzter Zeit häufiger bei der Sendung Extra 3 als bei sonst irgendeinem klassischen Medium. Dabei gibt es die guten und relavanten Themen ja sogar von den alten Mediendinosauriern. Die wichtigen Meldungen des Spiegel sind halt nur von der Titelseite ins Kleingedruckte gerutscht.

Nur einer hat sich bis heute nicht geändert. Die Bild war, ist und bleibt ein Rechtaußen-Hetzblatt.

(Titelbild von katerha unter dieser CC-Lizenz)

Das Unrecht im Recht

Die Meisten werden mitbekommen haben, dass René Walter seine Domain nerdcore.de an den Internetdienstleister Euroweb verloren hat. Inzwischen ist auch klar was vorgefallen ist. René bezeichnete Euroweb auf seinen Blog unter anderem als Arschgeigen. Das Unternehmen ging gegen diese Äußerungen vor und verschickte eine Abmahnung. René reagierte darauf nicht, da er nach eigenen Angaben zu dieser Zeit damit beschäftigt war, seine kranke Mutter zu pflegen. So bekam er auch nicht mit, dass Euroweb vor Gericht zog und Recht bekam. Nun stand dem Unternehmen eine Entschädigung zu und Walter bekam es nicht mit. Die letzte Rate traf daraufhin zu spät ein und Euroweb ging seinem gesetzlichen Recht nach und ließ die Domain Nerdcore pfänden.

Rechtlich scheint also alles einen legitimen Weg zu gehen und viele die beim ersten Shitstorm auf Twitter und in Blogs dabei waren sagten plötzlich, dass René ja selber schuld sei. Doch diese Vorgehenweise ist heuchlerisch. Es ist ja nun einmal nicht so, dass die Internetgemeinde sonst Ruhe geben würde, nur weil es Gesetz ist. Thierse wurde gefeiert, weil er zivilen Ungehorsam leistete. Auch beim Thema Stuttgart 21 war die rechtliche Legitimität des Bahnhofs gegeben – Trotzdem gab es Protest. Nun ist der Verlust eine Domain natürlich nicht in der gleichen Größenordnung, doch trotzdem ist die Pfändung eines »Gegenstandes«, der einen schätzungsweise nicht unerheblichen Teil des Lebensunterhalts beisteuerte moralisch extrem fragwürdig. Und genau darum sollte es gehen.

Niemanden interessiert wirklich die rechtliche Lage. Und das nicht nicht schlimm. Wichtig ist, ob das Handeln ethisch vertretbar ist. Und jemandem etwas wegzunehmen, weil man Arschgeige genannt wird erinnert mich stark an das Verhalten eines Kindergartenkindes. »Du hast mich doof genannt, darum nehme ich dir deinen Bagger weg.« Ich will nicht in Abrede stellen, dass auch René nicht gerade wenig Fehler gemacht hat. Man haut nicht einfach Beleidigungen raus. Aber ob man deswegen rechtliche Schritte einleiten muss, ist – um es diplomatisch auszudrücken – diskutabel. Denn nicht alles was gesetzlich erlaubt ist, sollte auch genutzt werden. Ich erinnere nur daran, wie stark immer alle gegen die Regierung wettern, wenn sie mal wieder Gesetze durchdrücken, die zwar nicht gegen das Grundgesetzes verstoßen, aber stark an die Grenzen dessen reichen. Gerade ein harmloses Thema wie der Streit bei Nerdcore gehört eigentlich unter vier Augen gelöst. Und beide Seiten sollten aufhören sich öffentlich Beleidigungen um die Ohren zu hauen.

(Titelbild von Schönemann unter dieser CC-Lizenz)