Ich muss mal ein bisschen meckern. Gegenüber dem Deutschlandradio äußerte sich der frisch gekürte Bundespräsident Christian Wulff vor wenigen Tagen folgendermaßen:
Früher war es so, da erfuhren sie nachmittags, dass morgen irgendwas in der Zeitung steht. Da konnten Sie schon richtig stellen, da konnten Sie schon gegenarbeiten. Heute erfahren Sie, dass etwas im Internet steht und Millionen anderer haben gleichen Zugriff auf die gleiche Information. Man hat damit keinen Vorlauf mehr, um Dinge richtigzustellen.
Ich bin ja nun wahrlich kein Fanboy von Christian Wulff. Aber man muss schon ziemlich böswillig sein, wenn man ihm wegen dieser Ansicht eine Abneigung zum Internet unterstellt. Dirk von Gehlen, Redaktionsleiter bei jetzt.de, tut dies. Martin Weigert nimmt das Zitat gar zum Anlass einen ziemlich wirren Artikel über Klassendenken als Hemmnis für die Digitalisierung zu schreiben. Und Philip Banse, Journalist aus Berlin, faselt irgendwas von wegen Wulff bedauere, dass er heutzutage keinen Wissensvorsprung mehr habe.
Klar. Wie gesagt, kann man so sehen, wenn man böswillig ist.
Geht man etwas objektiver und gelassener an die Sache ran, kommt man relativ schnell zu dem Schluss, dass Wulff weniger das Internet und den damit einhergehenden Kontrollverlust an sich kritisierte, sondern die Möglichkeit sich über seine Person betreffende Sachverhalte zu äußern und Gegendarstellungen einzufordern. Dem Zitat geht in der Sendung des Deutschlandsradios der Satz voraus:
Als während der Fahrt im silbernen Reisebus ein Artikel auftaucht, der Wulff juristische Tricksereien beim Wechsel ins Schloss Bellevue vorwirft, wird dieser für seine Verhältnisse ziemlich unwirsch und einen Moment sogar richtig zickig. Der Kandidat fühlt sich ungerecht behandelt. Weiterlesen…
Wenn Journalisten in Deutschland von “Netzvordenkern” oder “Internet-Gurus” berichten, meinen sie Typen wie Jeff Jarvis. Jarvis hat alles was Journalisten wollen: Eine radikale Botschaft von erheblicher Tragweite, eine gewisse Dramatik in der Präsentation seiner Thesen und inzwischen zumindest in deutschen Landen einige Prominenz. Nach seinem Auftritt auf der Berliner republi:ca im April, war Jarvis nun wieder in Deutschland – bei der 1. Zeit Online Debatte in München.
Das Wichtigste gleich vorweg: Auf die leidige Frage der Verleger wie sich denn nun in diesem verdammten Internet endlich Geld verdienen lasse, hat Jarvis noch immer keine Antwort. Zum Glück, möchte man denken, denn notfalls würden die Dirk Ippens dieser Welt ihre Online-Artikel auch mit rosa Schweinchen und Rupert-Murdoch-in-Batikshirts-Bildchen verzieren, würde ihnen Jarvis denn nur versprechen, dass damit mehr als “lousy pennies” zu machen seien. Schließlich, so Zeitungsverleger Ippen in München, brauche man die Kohle ja für diesen sauteuren investigativen Journalismus. Zu Ippens Medienkonglomerat gehören solche zur Tageszeitung verkommene Manifeste der Pressefreiheit wie das Oberbayerische Volksblatt und der Oranienburger Generalanzeiger. Just to state that.
Wer länger als zwei Stunden den Alltag in einer beliebigen Onlineredaktion Content-Managment-Fabrik erlebt hat, reibt sich da sowieso Augen oder Ohren. Im Zweifelsfall auch beides. Immerhin: Ein bisschen beruhigen kann Jarvis dann doch: Qualitätsjournalismus wird es immer geben. Wenn es der Markt nicht richtet, dann eben noch zu gründende Stiftungen.
Und dann ist da noch diese Privacy. Kaum jemand der der davon redet, weiß eigentlich genau um was es geht. Die deutschen Redaktionsstuben aber sind sich einig wie selten zuvor: Facebook und Google sind Schuld. Wenn man dann mal genauer nachfragt, kommt zwar meist nur heiße Luft, aber immerhin. Jarvis redet in diesem Zusammenhang auch gerne vom German Paradoxon. In Kurzform: Wer sich nackt in der Sauna zeigt, kann doch ernsthaft kein Problem damit haben Informationen über sich im Internet preiszugeben. Dass der Vergleich nur auf den ersten Blick taugt, übergeht Jarvis dabei geflissentlich. Solange seine Gegner noch immer mit Lappalien wie der Googleschen Street-View-Panne argumentieren, hat er ernsthaften Gegenwind nicht zu befürchten. Und das weiß er. Weiterlesen…
Wer das englische Verb “to flatter” ins Deutsche übersetzt, kommt zu einer Bedeutung die irgendwo zwischen “schmeicheln” und “schöntun”, vermutlich sogar genau dazwischen liegt. Wer “flattr.com” in seinen Webbrowser eingibt, landet auf der Website eines schwedischen Start-Ups. Zugegebenermaßen nicht irgendein Unternehmen, sondern eines das vor allem im deutschsprachigen Internet momentan für ziemliche Furore sorgt. Kurz und wohlwollend ausgedrückt ist Flattr eine Micropayment-Plattform mit voller Kostenkontrolle für den Endnutzer. Kurz und weniger wohlwollend ausgedrückt ist Flattr das digitale Pendant zu “Um Spenden wird gebeten!”.
Wie das System im Detail funktioniert lesen Sie bitte an anderen Stelle z.B. hier oder hier oder Sie schauen sich dieses Video an.
Vorgestern nun war bei den bekannteren teilnehmenden Blogs und der einen teilnehmenden Tageszeitung Zahltag. Ob die erreichten Erlöse nun gut sind oder nicht mögen bitte andere beurteilen. Johnny Haeusler von Spreeblick und Tim Pritlove jedenfalls haben nach dem ersten Monat etwas ausführlicher Bilanz gezogen und insbesondere Johnny hat auch einige kritische Punkte benannt. Dennoch geht mir die Diskussion um die Plattform noch nicht weit genug. Zwei Aspekte wurden bislang gar nicht oder zumindest unzulänglich thematisiert.
Zum einen geht es um Transparenz. Flattr-Spenden sind anonym, das ist gut so. Aber es ist nur eine Seite der Medaille. Denn wer spendet kann nicht sicher sein, dass die bereitgestellte Summe auch tatsächlich in voller Höhe beim Empfänger ankommt. Also praktisch gesehen: Angenommen ich habe diesen Artikel von Wene geflattert. Insgesamt hat er für die beiden Flatts (?) einen Euro erhalten. Eigentlich hätte er aber alleine von mir 1,50 Euro bekommen müssen. Er kann es nicht wissen. Ich kann es nicht überprüfen. Nur, dass das klar ist: Ich unterstelle den Flattr-Gründern nicht, sie seien Betrüger. Aber durch die Anonymität ist eben eine letztendliche Kontrolle nicht möglich und das ist, solange es um Geld geht, ein Problem. Weiterlesen…
Ich bin inzwischen davon abgekommen immer alles, was mir bei meiner Zeitungslektüre (online und offline) an Mist begegnet zu kommentieren. Heute muss ich es doch mal wieder tun – aus Liebe zur Wahrheit.
Die Ulmer Polizei hat gestern die Kriminalstatistik für das Jahr 2008 vorgelegt, die Südwest Presse greift das in ihrer heutigen Ausgabe auf. Grundsätzlich geht der Trend hin zu weniger Straftaten. So weit, so gut. Im letzten Absatz des Artikels kommt der Autor dann auf das Thema Rechtsextremismus zu sprechen:
»Auch Rechtsradikale fallen den Beamten immer häufiger [wie so genannte jugendliche Intensivtäter, Anmerkung der Redaktion] durch Schmierereien, Beleidigungen und, wie kürzlich in Schelklingen, durch Körperverletzungen auf. 2008 wurden 59 Fälle aus dem Bereich des Rechtsradikalismus registriert, wobei Keller sich sicher ist, dass es „keine erkennbaren rechtsradikalen Organisationen mit festen Strukturen” in der Region gibt.« Weiterlesen…
Twitter spricht manchmal für sich selbst: Gestern hat sich ganz spontan zwischen dem Parlamentarischen Geschäftsführer der Grünen-Bundestagsfraktion, Volker Beck und der Münchener Abendzeitung ein Interview auf Twitter entwickelt. Beide Seiten geizten dabei nicht mit Humor. Der Versuch Hubertus Heil mit in das Interview einzubeziehen schlug allerdings fehl, weshalb das SPD-Urgestein Jakob Mierscheid als Gesprächsthema herhalten musste.
Ich hab in mühevoller Kleinstarbeit das Interview so redigiert, dass auch Nicht-Twitterer keine Verständnisprobleme haben dürften. Weiterlesen…





