Privacy-Spacken

Ich will mich hier in der Post-Privacy-Diskussion auf keine Seite begeben, denn ich denke, dass nur ein Mittelweg der richtige sein kann.  Ich kann mich aber jedoch sehrwohl aufregen. Und zwar über die selbsternannte Privacy-Fraktion. Da erlaubte sich Constanze Kurz (immerhin Sprecherin des CCC) die andere Seite einfach als Spacken zu bezeichnen. Ich will gar nicht weiter darauf eingehen, dass mit diesem Wort sogar Minderheiten diskriminiert werden, aber Menschen, die anderer Meinung sind als man selber, zu beleidigen schadet dem ganzen Diskurs. Gesellschaftlich kommen wir nur weiter, wenn es mindestens zwei Seiten zu einem Thema gibt, denn nur so gibt es genügend Reibungsfläche um sich weiterzuentwickeln.

Ein Diskurs hört sich in meinen Augen so an. Gruppe X, sagt, dass der momentane Zustand A aus den Gründen 1,2 und 3 nicht weiter tragbar sei. Das hört Gruppe A und sagt, dass Gruppe X aus den Gründen 7,8 und 9 falsch liegt. Entweder ist eine der Gruppen so überzeugend, dass ihr voll Recht gegeben wird, oder sie einigen sich mit den Argumenten 4,5 und 6 auf einen Zustand, der irgendwo zwischen A und X liegt.

Wenn aber plötzlich eine Gruppe dazu übergeht, die andere zu beleidigen, scheinen ihr die Argumente auszugehen. Und dies scheint immer häufiger der Fall zu sein. Denn nun fängt auch Linus Neumann auf Netzpolitik.org damit an, auf die andere Seite einzudreschen. Nun habe ich die Podcasts gehört, die er da thematisiert. Und gerade die Fanboys, gehen durchaus kritisch mit dem Thema um. Ich bin nicht mit ihnen einer Meinung, aber ich könnte anhand von Argumenten mit ihnen darüber diskutieren. Wenn ich aber lieber jemanden beleidigen will, dann brauche ich mich nicht zu wundern, wenn kein brauchbarer Diskurs zustande kommt.

Man könnte jetzt meinen »Okay, ich will ja gar keinen Diskurs mit den Spacken.« – Falsch, denn wenn wenn man einfach anfängt, sich wie ein 16-Jähriger Skinhead auf Koks und Wein zu benehmen und einfach wild um sich pöbelt, dann hat man verloren. Zumindest in der Außenwahrnehmung. Hinzu kommen die Rollen, die die Pöbler einnehmen. Constanze Kurz ist Sprecherin des CCC. Linus Neumann schrieb seine Hetze auf Netzpolitik.org, einer Plattform von Markus Beckedahl, der gerade mit der Digitalen Gesellschaft einen Lobbyverband gegründet hat, der Netzinteressen vertreten soll. Wie aber soll ich mich mit diesen Organisationen verbunden fühlen, wenn sie sich Leute in den eigenen Reihen leisten, die sich nicht einmal an Grundregeln was Benehmen angeht halten können? Oder um Worte zu verwenden, wie sie aus den Mündern von Kurz und Neumann kommen könnten: Wie kann ich die SPD noch wählen, wenn sie einen Sarrazin nicht rauswirft?

Survivalism

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Manchmal gibt es Momente in denen ich Menschen abgrundtief hasse. Frei nach Agent K bemerke ich dann wieder, dass ein Mensch zwar ganz vernünftig sein kann, diese Vernunft in größeren Menschenmassen aber einzig und allein auf die eigenen Lebensfunktionen reduziert wird. Anders ist mir diese offensichtliche öffentliche Dummheit nicht zu erklären.

Das erste Beispiel stammt aus meinem Uni-Alltag. Der Campus selbst ist recht groß, die Wege dorthin und nach Hause werden besonders zur kalten und nassen Jahreszeit sehr gern mit dem Bus zurückgelegt. Von allen. Gleichzeitig. Deshalb gibt es folgendes Phänomen an jeder Bushaltestelle zu sehen: Der Bus hält an, die Türen gehen auf, kein Mensch rührt auch nur einen Muskel. Die fünf Idioten, die im Eingangsbereich stehen checken nicht, dass sie ihren Arsch vielleicht in den Gang bewegen müssten, damit die dreitausend Zusteiger in den Bus passen. Also steht der Bus erstmal fünf Minuten bevor es weitergeht. Raketenwissenschaft im Alltag.

Das zweite Beispiel findet sich ebenfalls auf dem Campus, aber auch gern an Bahnhöfen oder Kaufhäusern. Menschenmassen können einfach keine Räume vernünftig verlassen. Egal ob Bus, Rolltreppe, oder Geschäft: Die Tür geht auf, die Treppe hält an, ein einziger Schritt in die Freiheit und – stehenbleiben. Jeder Trottel denkt mal wieder nur an sich und vergisst den völlig stickigen und überfüllten Fahrstuhlinhalt in seinem Rücken. Zum Kotzen ist das. Als ob ein weiterer Schritt nach dem Befreiungsschlag so ein großes Problem wäre. Die Königsdisziplin dieser Dummheit ist aber das absichtliche Blockieren von Nadelöhren: Arschgesicht Nummer 1 trifft auf Hackfresse Nummer 2 und entscheidet sich in der völlig überfüllten Mensa genau am Treppenende über das unwichtigste Thema der Welt zu unterhalten. “Hey, was machst du denn…” – Schnauze und weg da!

Das dritte und letzte Beispiel betrifft ebenfalls die Schnarchnasen an meiner Uni. Hörsäle sind manchmal eine recht große Angelegenheit und manche Arschkriecher müssen schon drei Tage vor Vorlesungsbeginn ihre Plätze reservieren. Damit könnte ich ja leben, wenn diese Vollpfosten nicht direkt am Gang sitzen müssten und man als meist pünktlicher Mensch sich an genau diesen Ärschen vorbeischieben muss, um nicht 90 Minuten lang auf dem Boden sitzen zu müssen. Natürlich ist es konsequent von Leuten, die nur einen Meter über ihren eigenen Horizont hinausdenken, eben jenen Meter nicht weiterzurücken.

Man verstehe mich nicht falsch. Ich mag Menschen und kann mit großen Augen über die schier unendliche Zahl an spannenden Individuen auf diesem kleinen Planeten staunen. Wenn sich diese Individuen dann aber in der Öffentlichkeit zum kollektiven Herumstehen-und-Verstandausschalten treffen, dann möchte ich am liebsten fußaufwärts in so manche Magengegenden fallen!

(Titelbild von osde8info unter dieser Lizenz)

Das wird man wohl noch sagen dürfen

Wir leben hier in einem Land mit Meinungsfreiheit. Das ist schön. Ich sage gerne meine Meinung. Wir leben hier in einem Land, in dem Menschen glauben, dass etwas von sich geben gleichbedeutend mit dem Äußern einer Meinung ist. Das ist weniger schön. Mit  Menschen die glauben eine Behauptung, die sie nicht begründen können, sei eine Meinung  lässt sich allgemein schwer diskutieren. Weil nur wenn man fundiert über etwas reden kann, hat eine Diskussion überhaupt einen Zweck. Nächstes Problem. Wir leben in einem Land, in dem Diskussionen mit Streit verwechselt werden. In einer guten Diskussion geht kann es hitzig zugehen. Wenn man aber auf die Argumente des anderen eingeht, dann kann dies zu Produktiven Ergebnissen führen. Dann ist da das Internet. Es ist bietet ungeheures Potenzial durch Kooperation. Aber auch ungeheuer destruktive Fähigkeiten. Bestes Beispiel ist 4chan. Aber für alles gibt es einen Platz.

Was ich am Internet mag ist eigentlich, dass direkte Kommunikation so einfach ist wie nie zuvor. Den Autoren eines Blogposts anschreiben? Kein Problem. Den Autor einer großen Zeitung? Viel Erfolg dabei. Nun hat im Internet wie gesagt alles seinen Platz. Gerade ich sollte darüber sehr dankbar sein. Denn hier im Blog kann ich – vermeintlich – seriös schreiben, meine Meinung darlegen und vielleicht auch in den Kommentaren darüber diskutieren. Bei Twitter bestehen meine Beiträge aus Adolf Hitler, Essen, Sex und Alkohol. Das ist okay. Ich kann darüber lachen und wer es auch kann, kann mir einfach folgen. In diesem Blog würde ich nie so schreiben. Das ist okay. Wem der Stil hier gefällt kann es sich in seinen Feedreader legen und so dem Blog folgen.

Das Problem im Internet sind aber Menschen, die nicht differenzieren können. Wenn ich etwas Dummes in Twitter schreibe, dann ist das so. Ihr könnt mir eben folgen oder es lassen. Wenn ich im Blog etwas schreibe gilt das auch. Nun gibt es aber auch die Möglichkeit darauf einzugehen. Bei Twitter ist das mit Replys möglich, hier mit Kommentaren. Nun geht es hier eigentlich immer sehr angenehm zu, doch das ändert sich mit zunehmender Größe einer Seite. Ein schönes Beispiel dafür ist meiner Meinung nach das Blog von UARRR. Man kann seinen Stil mögen oder nicht, darum soll es gar nicht gehen. Er hat aber jetzt die Möglichkeit eingebaut für bestimmte Artikel die Kommentare deaktivieren zu können. Ich verstehe das – obwohl ich großer Verfechter der Meinungsfreiheit bin – vollkommen. Denn durch Replys und Kommentare werden einem »Meinungen« aufgezwungen. Ich finde es sehr schön von wildfremden Menschen zu hören, wenn sie sich mit dem von mir Gesagten auseinandersetzen. Wenn sie es denn machen. Denn gerade auf Twitter bekomme ich regelmäßig Replys, deren Dummheit einem die Tränen in die Augen treibt. In großen Blogs sieht man das auch immer gut in den Kommentaren. Wenn man die Urheber dieser Dinge dann darauf anspricht, dann bekommt man regelmäßig etwas von »Das wird man wohl noch sagen dürfen« zu hören. Klar darf man das sagen. Ich bin nicht gezwungen mir das anzuhören. Nichts gegen fremde Meinungen. Wenn sie fundiert sind auf auf mich eingehen, dann können sie mich ungemein bereichern. Aber häufig bekommt man das Gefühl einem wird einfach die Zeit gestohlen.

Das Argument hört man übrigens auch immer gerne bei Rechtspopulisten. Sarrazin war ein schönes Beispiel. »Das wird man wohl noch sagen dürfen.« Genau, darf man. Aber Meinungsfreiheit heißt eben nicht Zuhörpflicht.

(Titelbild von hdzimmermann unter dieser CC-Lizenz)

“We think we climb so high”

Die durch die Ereignisse in Japan erneut aufgebrachte Diskussion über die Sicherheit von Kernkraft ist eine höchst spannende. Spannend deshalb, weil sie auf vielen Ebenen geführt wird und erneut eine menschliche Unart aufzeigt: Das Undenkbare zu bedenken.

Wir Menschen sind seit jeher auf Technologie angewiesen, erst die Abhängigkeit von Werkzeugen macht uns unabhängig von der Natur. Doch statt diese Tatsache in einer tiefen Demut anzuerkennen, vergessen wir oftmals, wie hilflos und entfremdet wir ohne unsere Werkzeuge sind. Der technische Fortschritt und die industriellen Meisterleistungen steigen uns nur zu gern zu Kopf.

Die Titanic war eine Meisterleistung der Schifffahrt, ein unsinkbares Statussymbol, das sich heute auf dem Grund des Meeres befindet. Die Hindenburg war ein Aushängeschild des deutschen Reiches und ging in Flammen auf. Nach einer Explosion mit anschließender Kernschmelze kam es im Kernkraftwerk Tschernobyl zu einer der schlimmsten Umweltkatastrophen der Geschichte. Alle drei Einzelfälle sind Beispiele für die verheerenden Folgen menschlicher Ignoranz.

Eine ähnliche Ignoranz, die sich dieser Tage in den Äußerungen so mancher Politiker wiederfindet. Frau Merkel spricht davon, dass “unsere Kernkraftwerke [...] nach Maßgabe dessen, was wir wissen, sicher [...]“ sind. Und natürlich sind sie das. Wir wissen, dass sie sicher sind, weil sie uns nicht gerade um die Ohren fliegen oder davonschmelzen. Aber genau dieser Punkt, die Beharrung auf den Status Quo, zeigt, dass wir nicht allein von diesem ausgehen können. Nicht umsonst muss vor dem “Größten anzunehmenden Unfall” noch das Wörtchen “super” gesetzt werden, damit man das Undenkbare beschreiben kann.
Auch die Amerikaner sind sich ihrer Position sicher. Die Reaktoren dort sind ebenfalls “sicher”, natürlich halten sie auch “einem schweren Erdbeben” stand. Dass aus einem “schweren” Erdbeben leicht ein “sehr schweres” Erdbeben werden kann, und dass die Japaner vor einer Woche sicherlich ähnlich überzeugt gewesen wären, wird ignoriert.

Der Mensch ist schon ein merkwürdiges Tier. Er denkt so lange nicht an Wölfe, bis er einen sieht. Dann werden eilig Moratorien einberufen, Untersuchungen angetrieben und Vorkehrungen getroffen. Alle schreien “Wolf!”, bis der nächste Wahlkampf vorüber ist. An Grizzlybären denkt er in der Zeit aber nicht…

Volksphänomen Rassismus

Nicht erst Thilo Sarrazin hat deutlich gemacht, dass wir in Deutschland ein Problem mit Rassismus haben. Doch ähnlich wie Sarrazin waren die Behauptungen, dass Deutschland ein rechtes Problem habe eben genau das – Behauptungen. Das ist nun anders. Eine Studie hat nun belegt, was die meisten von uns sicher schon dachten. Nur um ein paar Auszüge zu zeigen:

Es gibt zu viele Zuwanderer [im jeweiligen Land].
Zustimmung: 50,0%

Es gibt eine natürliche Hierarchie zwischen schwarzen und weißen Völkern.
Zustimmung: 30,5%

Frauen sollten ihre Rolle als Ehefrau und Mutter ernster nehmen.
Zustimmung: 52,7%

Das größte Problem ist, dass der Hass auf das Fremde tief in uns verankert ist. Selbst Menschen wie ich, die sich selber als sehr links einschätzen, werden ab und zu feststellen, dass man  nachts eher bei einem schwarzen, als bei einem weißen Menschen ein mulmiges Gefühl im Magen bekommt. Rein logisch ist mir natürlich bewusst, dass es keinen Unterschied macht, aber durch das soziale Umfeld in dem wir uns alle bewegen, bekommt man solche Vorurteile anerzogen. Siehe Horst Seehofer, der als einer der führenden Politiker des Landes wettert, eben jenes bis zur letzten Patrone vor Ausländern zu verteidigen. Oder ein Thilo Sarrazin, der einfach als Provokateur bezeichnet wird. Beide können also volksverhetzende Thesen von sich geben und die Leitmedien des Landes bezeichnen sie nicht als das, was sie sind. Rechtes Propagandagut.

Ein ähnliches Beispiel liefert der Sexismus in Deutschland. Solange es noch als normal angesehen wird, dass sich die Männer in einem Raum darüber unterhalten, wie gerne sie die Frau, die gerade den Raum verließ, knallen würden, kann und wird es nicht zu einer gesellschaftlichen Änderung kommen, welche die Frau als gleichberechtigt neben dem Mann etabliert. Aus eigener Erfahrung kann ich sogar sagen, dass man als Mann ausgegrenzt wird, wenn man nicht in die sexistische Scheiße mit einstimmen will. Dabei gibt es durchaus Beispiele, die zeigen, wie es richtig geht. Die Band Frittenbude brach zum Beispiel einen Auftritt bei einem Festival ab, nachdem das Publikum auch nach mehrfacher Aufforderung die »Ausziehen, Ausziehen«-Rufe gegenüber einer Gastsängerin auf der Bühne nicht einstellen wollte. Das diese der Forderung auch noch nachgab zeigt sehr deutlich, dass es noch einen langen Weg gibt, der zurückgelegt werden muss.

Auf die Schwulenfeindlichkeit braucht man eigentlich schon nicht mehr einzugehen. Alleine, dass das Wort schwul als Schimpfwort gebräuchlich ist zeigt schon, dass Homosexualität alles andere als akzeptiert ist.

Ich habe nur einen Wunsch. Wenn ihr für allgemeine Gleichberechtigung der Menschen seid, dann ignoriert nicht einfach, wenn Leute um euch herum andere diskriminieren. Kämpft dagegen. Notfalls bis zur letzten Patrone.

„Es gibt zu viele Zuwanderer [im jeweiligen Land].“
Zustimmung: 50,0%

„Wenn Arbeitsplätze knapp sind, sollten Deutsche mehr Recht auf eine Arbeit haben als Zuwanderer.“
Zustimmung: 42,4%

„Es gibt eine natürliche Hierarchie zwischen schwarzen und weißen Völkern.“
Zustimmung: 30,5%