Waffen wegschließen

Waffen wegschließen

Egal was das Motiv war, egal was das Fass letztlich zum Überlaufen gebracht hat, egal wie scheiße das Leben dieses Jungen war: Der Amoklauf gestern in Winnenden wäre nicht geschehen oder zumindest nicht in dieser Form geschehen, würden die Waffen von Sportschützen an einem sicheren Ort aufbewahrt.

Zugegebenermaßen kenne ich mich, aus dem einfachen Grund, weil ich mich nie für Waffen oder Leute – die ihre Freizeit damit verbringen – interessiert habe, nicht mit den Gepflogenheiten und Regeln in deutschen Schützenvereinen aus. Es stellt sich nach so einer Tat aber als Laie ganz einfach die Frage, weshalb ein Mann, der hobbymäßig im Schützenclub auf Tontauben schießt, nach getaner Arbeit sein umfangreiches Sammelsurium an potenziellen Mordinstrumenten mit nach Hause schleppen muss. Warum werden Waffen von Sportschützen privat gelagert und nicht im Vereinsheim, dem lokalen Polizeirevier oder der örtlichen Bank?

Es sind nicht Waffen die töten. Es sind Menschen. Waffen sind auch nicht die Ursache der Tragödie, sondern ein eklatantes Versagen aller sozialen Instanzen wie Eltern, Familie, Mitschüler oder Lehrer. Es ist aber eindeutig, dass ein Vater, der zu Hause (unsachgemäß) Waffen aufbewahrt, es seinem Sohn ungleich einfacher macht in kurzer Zeit viele Menschen umzubringen, als Eltern in deren Haushalt die gefährlichste “Waffe” ein Küchenmesser ist.

Natürlich müsste es durch die bestehenden Waffengesetze für einen 17-Jährigen schon jetzt unmöglich sein an eine Waffe zu gelangen. Solang diese aber im Privaten aufbewahrt werden, wird es für Familienmitglieder immer irgendwie möglich sein an einen Schlüssel zum Waffenschrank zu gelangen: Einmal den Vater oder die Mutter beim Öffnen und Schließen beobachten. Fertig.

Polizisten müsse ihre Waffe nach Dienstschluss im Polizeirevier verschließen und dürfen sie nicht mit nach Hause nehmen. Das gleiche gilt für Soldaten und waffentragende, historische Bürgerwehren. Weshalb genießen Sportschützen noch immer einen Sonderstatus?

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Fotohinweis: Rounds von horizontal.integration (Flickr).

Interview in 140 Zeichen

Interview in 140 Zeichen

Twitter spricht manchmal für sich selbst: Gestern hat sich ganz spontan zwischen dem Parlamentarischen Geschäftsführer der Grünen-Bundestagsfraktion, Volker Beck und der Münchener Abendzeitung ein Interview auf Twitter entwickelt. Beide Seiten geizten dabei nicht mit Humor. Der Versuch Hubertus Heil mit in das Interview einzubeziehen schlug allerdings fehl, weshalb das SPD-Urgestein Jakob Mierscheid als Gesprächsthema herhalten musste.

Ich hab in mühevoller Kleinstarbeit das Interview so redigiert, dass auch Nicht-Twitterer keine Verständnisprobleme haben dürften. Weiterlesen…

Ungewöhnliche Revolution

Ungewöhnliche Revolution

Eigentlich sollte er längst schlafen. Es standen schließlich Aufgaben an.

Die Kirchenglocke aber war nicht zum Kompromiss bereit: Ein Uhr, zwei Uhr, drei, vier Uhr. Dabei hatte er es sich doch fest vorgenommen. 22 Uhr. Deadline für diesen Tag.

Die Becksflaschen auf dem defekten Videospielgerät standen da – wie eine Armee. Eigentlich eher wie eine Guerillagruppe. Eine dieser revolutionären Truppen, die man aus Südostasien und Lateinamerika kennt.

Ein Hauch von Revolution – ja, das lag auch hier in München in der Luft. Sein Zimmer eine revolutionäre Zelle. Nicht, dass hier eine Revolution ausgehenden von der Stadt, den Menschen, den U-Bahn-Fahrern, den Künstlern oder einer extremistischen Splittergruppe stattgefunden hätte. Nein, es war zunächst eine nahezu stille Revolution. Etwas das in ihm selbst vorging.

Eine Revolution also, die gänzlich nichts mit Ländern, Staaten, Aristokraten zu tun hatte.

Was hier stattfand war zwar eine Revolution, aber doch keine wenn sie unter objektiven Gesichtspunkten betrachtet werden würde. Es war eine subtile Revolution im Inneren. Eine subtile Revolution im Inneren, dachte er. Ja, das war es.

Er starrte die weiße Wand an, die im Licht der Energiesparlampe aber eher wie Eigelb aussah. Er musste seine Gedanken ordnen. Was war nur los mit ihm?

Draußen dämmerte es. Weiterlesen…

Tief gekühlt

Tief gekühlt

Es liegt eine schauerliche Monotonie über dieser Stadt. Hochnebel wechselt sich mit sonnigen Abschnitten ab, von Schnee keine Spur. Die Autos sorgen für Abgase, die U-Bahn für warme Luft. Fast heimlich schieben sich Leute an dir auf der Rolletreppe vorbei. Die BILD skandiert auf DIN A3-Plakaten “Skandal” und in der Uni stehen sich angehende Juristen – mit einheitlich gebundenen Schals – die Füße in den Bauch.

Nichts hat sich geändert, denkst du und siehst dein Spiegelbild in den Scheiben des vorbeifahrenden Bofrostmanns. Tief gekühlt.

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Fotohinweis: Tree Lined Path at Hofgarten von RC Designer (Flickr).