Volksphänomen Rassismus

Nicht erst Thilo Sarrazin hat deutlich gemacht, dass wir in Deutschland ein Problem mit Rassismus haben. Doch ähnlich wie Sarrazin waren die Behauptungen, dass Deutschland ein rechtes Problem habe eben genau das – Behauptungen. Das ist nun anders. Eine Studie hat nun belegt, was die meisten von uns sicher schon dachten. Nur um ein paar Auszüge zu zeigen:

Es gibt zu viele Zuwanderer [im jeweiligen Land].
Zustimmung: 50,0%

Es gibt eine natürliche Hierarchie zwischen schwarzen und weißen Völkern.
Zustimmung: 30,5%

Frauen sollten ihre Rolle als Ehefrau und Mutter ernster nehmen.
Zustimmung: 52,7%

Das größte Problem ist, dass der Hass auf das Fremde tief in uns verankert ist. Selbst Menschen wie ich, die sich selber als sehr links einschätzen, werden ab und zu feststellen, dass man  nachts eher bei einem schwarzen, als bei einem weißen Menschen ein mulmiges Gefühl im Magen bekommt. Rein logisch ist mir natürlich bewusst, dass es keinen Unterschied macht, aber durch das soziale Umfeld in dem wir uns alle bewegen, bekommt man solche Vorurteile anerzogen. Siehe Horst Seehofer, der als einer der führenden Politiker des Landes wettert, eben jenes bis zur letzten Patrone vor Ausländern zu verteidigen. Oder ein Thilo Sarrazin, der einfach als Provokateur bezeichnet wird. Beide können also volksverhetzende Thesen von sich geben und die Leitmedien des Landes bezeichnen sie nicht als das, was sie sind. Rechtes Propagandagut.

Ein ähnliches Beispiel liefert der Sexismus in Deutschland. Solange es noch als normal angesehen wird, dass sich die Männer in einem Raum darüber unterhalten, wie gerne sie die Frau, die gerade den Raum verließ, knallen würden, kann und wird es nicht zu einer gesellschaftlichen Änderung kommen, welche die Frau als gleichberechtigt neben dem Mann etabliert. Aus eigener Erfahrung kann ich sogar sagen, dass man als Mann ausgegrenzt wird, wenn man nicht in die sexistische Scheiße mit einstimmen will. Dabei gibt es durchaus Beispiele, die zeigen, wie es richtig geht. Die Band Frittenbude brach zum Beispiel einen Auftritt bei einem Festival ab, nachdem das Publikum auch nach mehrfacher Aufforderung die »Ausziehen, Ausziehen«-Rufe gegenüber einer Gastsängerin auf der Bühne nicht einstellen wollte. Das diese der Forderung auch noch nachgab zeigt sehr deutlich, dass es noch einen langen Weg gibt, der zurückgelegt werden muss.

Auf die Schwulenfeindlichkeit braucht man eigentlich schon nicht mehr einzugehen. Alleine, dass das Wort schwul als Schimpfwort gebräuchlich ist zeigt schon, dass Homosexualität alles andere als akzeptiert ist.

Ich habe nur einen Wunsch. Wenn ihr für allgemeine Gleichberechtigung der Menschen seid, dann ignoriert nicht einfach, wenn Leute um euch herum andere diskriminieren. Kämpft dagegen. Notfalls bis zur letzten Patrone.

„Es gibt zu viele Zuwanderer [im jeweiligen Land].“
Zustimmung: 50,0%

„Wenn Arbeitsplätze knapp sind, sollten Deutsche mehr Recht auf eine Arbeit haben als Zuwanderer.“
Zustimmung: 42,4%

„Es gibt eine natürliche Hierarchie zwischen schwarzen und weißen Völkern.“
Zustimmung: 30,5%

Der Neuanfang

Als Pascal mich im Juni letzten Jahres fragte, ob ich nicht hier als Co-Autor mitmachen will, war ich sehr überrascht. Ich kannte ihn nur durch Twitter und das Vorgängerblog von The Aftermath, dessen Namen ich allerdings schon wieder vergessen habe. Ich war ziemlich beeindruckt von Pascals Posts, da er es schaffte, verhältnismäßig kurz und sachlich Dinge zu thematisieren, die mich auch interessierten. Ich brauchte also nicht lange um ja zu sagen.

Ich wusste anfangs nicht, welche Richtung das Ganze hier haben soll und mir wurde auch viel Spielraum zum Ausprobieren gegeben. Irgendwann entwickelte sich dann eine gewisse Eigendynamik und das Konzept bildete sich quasi von selbst.

Nun übernehme ich das Blog also. Es fiel mir nicht leicht, diese Entscheidung zu treffen, denn The Aftermath liegt mir sehr am Herzen und ich will diesem Projekt gerecht werden. Damit verbunden sind auch Änderungen – das lässt sich wahrscheinlich nicht vermeiden. Im Kern wird es jedoch das Blog bleiben, das Pascal vor über zwei Jahren gründete. Natürlich wird er auch ein jederzeit wilkommener Autor hier bleiben.

Ehrlichgesagt habe ich keine Ahnung, wie sich The Aftermath weiterentwickeln wird. Natürlich werden hier weiterhin Medien, Politik und Musik thematisiert, doch ich denke auch die ein oder andere Geschichte wie Zuhause wird hier eine Platz finden.

Und nun zum Ass in meinem Ärmel. Mit Christian ist ein neuer Autor an Bord.  Er wohnt im noch nördlicheren Deutschland als ich und das will was heißen. Über ein paar Internetecken sind wir vor einiger Zeit aufeinander gestoßen und da mir klar war, dass ich dieses Blog nicht alleine weiterführen will fragte ich ihn, ob er nicht mitmachen will. Bei Twitter haben wir des öfteren unsere Diskussionen ausgetragen, sehr zum Leidwesen aller, die uns beiden folgen. Gerade diese häufig unterschiedlichen Ansichten von uns dürften The Aftermath jedoch eine interessante Note verleihen. Was seine musikalischen Interessen angeht, kann man auf seinem Tumblelog, dass er mit mir und andern befüllt vorbeischauen und auch seine Twitterseite ist einen Besuch wert.

Also alles neu bei The Aftermath. Oder auch nicht. Ich wünsche auf jedem Fall Pascal noch viel Glück mit seinen anderen Projekten und möchte euch Lesern für die Aufmerksamkeit und Kommentare danken. Wir werden sehen was die Zukunft bringt.

Der Abschied

Liebe Leser,

seit einigen Wochen herrscht hier Funkstille. Und was mich angeht, ist es sicher nicht übertrieben zu behaupten, dass dieser untragbare Zustand seit einigen Monaten andauert. Die Gründe hierfür sind vielfältig und ich will niemanden damit langweilen. Jedenfalls kann es so nicht weitergehen. Wird es auch nicht.

Vor nicht mal einem Jahr ist dieses Blog online gegangen. Mein ursprünglicher Anspruch war es Texte, die über den üblichen 500-Zeichen-Kommentar hinausgehen, zu verfassen. Themen meinungsstark und umfangreich anzugehen. Gerade in der Anfangszeit ist mir das, so meine ich, doch ganz gut gelungen. Was nichts daran ändert, dass ich schon bald mit meinen eigenen Ansprüchen zu kämpfen hatte, Verstärkung suchte und fand. Mit Hagen habe ich im Juli 2010 einen großartigen Co-Autor gefunden, nicht nur weil er die Postingfrequenz enorm nach oben trieb, sondern weil er hier interessenstechnisch reinpasste, wie die Faust aufs Auge und wir uns – obwohl noch nie begegnet – trotz mancher Meinungsverschiedenheit ganz gut verstehen.

Und dennoch gab es jetzt diese lange Pause. Und sie wird – was mich angeht – noch andauern. Gemeinsam mit Moritz arbeite ich gerade an einem größeren Projekt, von dem ich selbst noch nicht so ganz genau weiß, was daraus werden wird. Spannend ist es allemal.

Nicht weniger spannend ist allerdings, was mit The Aftermath passieren wird. Hagen übernimmt die Bude zunächst mal organisatorisch und schon munkelt man, er habe noch ein Ass im Ärmel. Und es ist – so viel kann ich schon mal verraten – nicht Boris Becker.

Heißt das, dass das hier für mich endgültig Geschichte ist? Vielleicht nicht für immer. Aber erstmal schon. Danke fürs Lesen und Kommentieren. War toll.

Wer wissen will, wie es mit unserem neuen Projekt und mir weitergeht. Hier werde ich es in nicht allzu ferner Zukunft vorstellen.

So far.

Die Merkelisierung der Medien

Früher waren die Fronten klar. Der Spiegel ist links. Die Zeit auch. Die Welt eher rechts und der Focus noch weiter nach außen. Die taz sprengte die Skala und war Kommunistenblatt. Heute sieht das alles anders aus.

Der Spiegel deckt die politische Mitte ab. Das klingt positiver als es gemeint ist. Dem führenden Nachrichtenmagazin in diesem Land ist jegliches Profil abhanden gekommen. Bissige Fragen bei Interviews finden nicht statt, bei dem WikiLeaks-Skandal sucht sich der Spiegel scheinbar die harmlosesten Depeschen raus und macht dabei sogar noch Übersetzungsfehler. Kurzum: Es wird Gefälligkeitsjournalismus betrieben.

Die Zeit und die Welt haben einen sehr ähnlichen Wandel durchlebt, nur von zwei verschiedenen Seiten. Zwar bleiben die Blätter noch auf ihrer Seite, sind aber sehr weit an die Mitte herangerückt. So kann jemand aus dem eher rechtsgesinnten Springerlager durchaus mal einen Blick in die Zeit riskieren und als Linker muss man sich nicht schämen auch mal auf einen Artikel aus der Welt zu verweisen.

Nun könnte man ja meinen, dass es sich bei dieser Entwicklung um etwas positives handelt. Die Mitte sollte ja eigentlich der objektivste Standpunkt sein und da journalistische Leitmedien sich ja gerne als unabhängig und überparteilich bezeichnen scheinen sie diesem Ziel immer näher zu kommen. Doch leider bleibt auf diesem Weg etwas zurück – der Journalismus. Früher gab es große Enthüllungen und bei Interviews wurden unbequeme Fragen gestellt, die  manchmal Staatskrisen herbeiführten.

Das ist heute anders. Die Pressevertreter haben Angst nicht zu nächsten Pressekonferenz geladen zu werden, wenn ihre Fragen zu kritisch sind. Nur selten werden noch 50 Menschen an ein Thema gesetzt, wie kürzlich der Spiegel es bei den Botschaftsdepeschen getan hat. Das hängt natürlich auch damit zusammen, dass eine Schärfung des Profils Geld kostet. Man verschließt sich einer breiteren Masse. Doch gleichzeitig wundern sich die großen Verlage, warum ihnen die Auflagen wegbrechen und so viele Menschen anfangen Blogs als Nachrichtenquelle zu nutzen. Die Antwort ist ganz einfach. Die subjektiven Texte, die man auf Blogs findet dienen der Meinungsbildung – etwas, wofür früher Spiegel und Co zuständig waren.

In ihrer Angst noch mehr an Auflage einzubüßen wählen die Zeitungen dann lieber einen Weg, der sehr an den von Angela Merkel erinnert. Sie vermeiden klare Aussagen und kontroverse Themen wo sie nur können um für die breite Masse interessant zu bleiben. Dabei halte ich gerade eine zurückkehrende Schärfung der Profile und den »Rückschritt« zu alten Zeiten für unvermeidlich. Denn das Geld der Verlage steckt nicht in dem Verkaufspreis der Zeitung, sondern in der enthaltenden Werbung. Und für eine klarer abgesteckte Zielgruppe lassen sich auch Anzeigen besser optimieren. Google fährt seit Jahren riesige Gewinne dadurch ein, dass sie Werbung zeigen, die relavant für den Konsumenten ist.

Wie sehr sich die Menschen nach einen Sinneswandel zurück wünschen kann man inzwischen gut in den USA beobachten. Dort gelten Sendungen wie die Daily Show von Jon Steward mittlerweile als Nachrichtenquelle, obwohl sie eigentlich linke Satiresendungen sind. Und auch in Deutschland lässt sich ähnliches beobachten.  Kritischen Journalismus erlebe ich in letzter Zeit häufiger bei der Sendung Extra 3 als bei sonst irgendeinem klassischen Medium. Dabei gibt es die guten und relavanten Themen ja sogar von den alten Mediendinosauriern. Die wichtigen Meldungen des Spiegel sind halt nur von der Titelseite ins Kleingedruckte gerutscht.

Nur einer hat sich bis heute nicht geändert. Die Bild war, ist und bleibt ein Rechtaußen-Hetzblatt.

(Titelbild von katerha unter dieser CC-Lizenz)

Fehler darfst du behalten

Häufig liest man den Satz »Wer Fehler findet darf sie behalten.« unter irgendwelchen Texten. Das zeugt jedoch von einer Einstellung, die ich eher negativ auffassen würde. Denn die Ausstrahlung dieses Satzes sagt einem, dass der Autor nicht dazulernen will.

Alle von uns machen Fehler. Doch sobald man jemanden in einem Forum oder sonstwo darauf hinweist, dass dort etwas falsch geschrieben wurde liest man regelmäßig Ausdrücke wie »Grammar Nazi«. So habe ich gestern im Forum von golem.de gesehen, wie jemand darauf hingewiesen wurde, dass man meistens mit s und nicht mit ß schreibt. Daraufhin wurde der Verfasser der Korrektur dermaßen angegriffen, dass es einfach lächerlich war. Dabei sollte eigentlich genau das Gegenteil der Fall sein. Ich weiß zum Beispiel, dass ich eine miserable Kommasetzung habe. Aber ich bitte nicht darum das zu verschweigen, denn davon habe ich nichts. Denn ein solcher Korrekturhinweis bringt mich weiter, da ich dadurch lerne.

Nun ist Rechtschreibung nur eine Kleinigkeit, aber die Mentalität der Meisten geht auch bei anderen Dingen in die Richtung Kritik ersteinmal negativ aufzufassen. Dabei muss es das nicht sein. Konstruktive Kritik ist einer der besten Wege zu lernen. Natürlich gibt es auch einfach beleidigende Aussagen, an denen nichts Positives mehr zu finden ist, aber trotzdem sollte man häufiger auf den Kern der Kritik hören. Denn es sollte eigentlich das Bestreben eines jeden sein, aus Fehlern zu lernen um sie zukünftig zu vermeiden.