Have you heard the news?

Nachdem ich inzwischen auf sage und schreibe fünf Get-Well-Soon-Konzerten war und praktisch sämtliche Songs spontan auf Hochchinesisch übersetzen und währenddessen Triolen auf nem offenen Hi-Hat klopfen könnte, bin ich wohl mit ausreichend Credibility ausgestattet um euch die neueste EP ans Herz zu legen, die es zu allem Überfluss noch als Gratis-Download gibt. Auf der gemeinsamen Tour mit dem Grand Ensemble wurde nämlich eine Show im Dortmunder Konzerthaus mitgeschnitten, sechs Songs haben es auf die Platte geschafft. Darunter befindet sich unter anderem eine bombastische Version von »5 Steps/7 Swords« und mit »A Burial at Sea« mein So-oder-So-Lieblingssong der Band. Den werten Lesern dieses Blogs sei daher folgender Link  wärmstens empfohlen: Downloadklicklink.

Alternativ bzw. kumulativ sind auch die kommenden Livekonzerte nicht zu verachten:

13/11/10: Rolling Stone Weekender Festival
19/11/10: Admiralspalast, Berlin
24/11/10: Manufaktur, Schorndorf
25/11/10: Haus Der Sozialen Dienste, Erfurt
07/12/10: Ostwerk, Augsburg
08/12/10: Schloss, Heidelberg
09/12/10: Forum, Bielefeld
10/12/10: Kulturfabrik, Kassel
11/12/10: Zakk, Düsseldorf

Popkulturnerdgeeks schalten darüber hinaus selbstverständlich am 18. Dezember um 21.45 Uhr 3Sat ein, da startet das neue Sendeformat »Aufnahmezustand« – mit Get Well Soon.

Interview mit Nagel

Nagel war Sänger von Muff Potter. Ja, den Muff Potter. Momentan ist er mit seinem zweiten Roman auf Lesetour. Dieser heißt »Was kostet die Welt« und handelt von Meise, der 15 000€ von seinem Vater geerbt hat, die er für Reisen ausgeben will. Sein erster Roman heißt »Wo die wilden Maden graben« und dreht sich um das Musikerleben. Bei seiner Lesung in Bremen konnte ich ihm ein paar Fragen zu den Büchern stellen.

Was ist bei dem neuen Buch anders als bei dem davor?

Das ist  eine geile Standardfrage aus dem Bandkosmos. Als Autor wurde ich das noch nie gefragt. Vom ersten Buch wird ja immer angenommen, es sei rein autobiografisch, was so nicht stimmt. Es ist auch ein Roman und die beschriebene Tour hat es so nie gegeben. Man kann sich natürlich denken, wo ich vieles davon hergenommen habe, aber das ist  genau so ein fiktionaler Roman wie »On the road« von Jack Kerouac. Ich will mich hier natürlich nicht mit Weltliteratur vergleichen, aber da wurde auch immer angenommen, dass ihm das alles so passiert ist und in Wirklichkeit hat er da acht Jahre dran gearbeitet, damit es so wird wie es ist. Bei »Was kostet die Welt« ist der Unterschied, dass es eine stringente Handlung gibt und es ein, ein wenig klassischerer Roman ist.

Was denkst du, wenn behauptet wird, dass dein Buch einfach eine Nacherzählung des eigenen Lebens ist?

In gewisser Weise ist es eine Frechheit das anzunehmen, wobei ich natürlich weiß, dass es überhaupt nicht böse gemeint ist. Aber ich glaube jetzt beim neuen Buch ist es relativ offensichtlich. Da muss man schon jeden Wink mit dem Zaunpfahl nicht verstehen, um zu glauben, dass ich da einfach über mich schreibe. Also ich glaube dass jeder, der halbwegs aufmerksam das Buch liest merkt, dass ich mir da einen Hauptcharakter ausgedacht hab und auch Nebencharaktere, die zwar teilweise etwas von mir haben, wie es nunmal immer der Fall ist, aber denen ich biografische Züge weit von mir weise.

Wie komt man dazu neben der Band noch ein Buch zu schreiben?

Ich schreibe Bücher bestimmt nicht nebenbei. Also dass jemand in der Lage ist, ein Buch nebenbei zu schreiben möchte ich mal erleben. Das ist schon echt harte, lange Arbeit. Ich hab immer geschrieben. Ich hab in den Neunzigern ein Fanzine gemacht, das hieß »Wasted Paper«. Das hat so als normales Musik/Punkrock-Fanzine angefangen und am Ende ging es eigentlich nur noch am Rande um Musik. Es ging da schon viel um Erlebnisberichte, Poesie, fast schon Prosa kann man sagen. Ich hab auch immer schon zwischendurch Artikel für andere Fanzines und Magazine geschrieben. Ich habe eine Kolumne in dem Heft »Opak«. Ich hab immer Texte geschrieben. Ich hab immer Ttagebuch geschrieben. Also ich hab immer geschrieben. Von der Form her ist ein Buch natürlich schon etwas anderes und wesentlich umfangreicher, aber es war nicht so, als würde ich auf einmal anfangen zu schreiben. Das hab gemacht, seit ich einen Stift halten kann. Weiterlesen…

Macht und Ohnmacht

Die Journalisten Dan Chung und Tania Branigan durften für den britischen Guardian bei der Militärparade in Nordkorea vor drei Wochen dabei sein. Dort ist dieses beeindruckende Video entstanden. Es bietet auf unprätentiöse Art und Weise Einblicke in ein surreales politisches System und ist ein echtes Beispiel für Qualitätsjournalismus im Netz.

Revolution im Hiphop

Meine Jungs bumsen euch alle/Denn mir ist scheißegal ob ich euch Tunten gefalle.

Durch solche und ähnliche lyrische Hirnschläge hat sich Hiphop in den letzten Jahren einen Ruf erarbeitet, den nur DJ Ötzi unterbieten konnte. Doch in letzter Zeit findet man immer mehr Künstler, die klassischen Hiphop wieder in die richtige Bahn bringen wollen. Fernab von homophober Scheiße und Gangsta-Blödsinn hat sich eine Szene von intelektuell wertvollem Rap entwickelt.

Angeführt von Casper schreiben die Rapper  Texte, die teils lustig, teils ernst sind und auch Emotionen vermitteln. So hat Casper zwar teils auch Battletexte wie »Mittelfinger hoch« im Programm, aber sein Debutalbum war voll mit Liedern, die Lieder wie die Flucht einer Famile von dem Vater und Mobbing in der Schule beschreiben.

Maeckes aktuelles Album »Kids« ist ein Konzeptalbum in dem es um die Welt aus Sicht von Kindern geht. Das sehr düstere Album hat diverse Textstücke wie »Ein Herbstblatt auf dem Asphalt/Nee, eigentlich nur ein Stückchen Dönerfleisch/Diverse Tage alt, vergewaltick-tack von der Zeit« bei denen man einfach merkt, wieviel Herzblut und auch Hirn in den Songs steckt.

Marteria gehört eher der Spaßfraktion an. Das heißt nicht, dass man Lieder al la Fanta 4 oder Fettes Brot zu hören bekommt, aber man merkt wie viel Spaß er an der Sache hat und auch, dass es bei ihm wahrlich nicht an Talent mangelt.

Rockstah hat gleich die Nerdrevolution verkündet. Der Sohn von Henni Nachtsheim hat von seinem Vater den Humor geerbt und hat ein Konzeptalbum über Nerdtum produziert. Das ersten Lieder daraus heißen »McDrive Muzik« und  »Sturmfrei« und wer da nichts zu lachen findet sollte aufhören sich so ernst zu nehmen. Weiterlesen…

Erst, wenn MTV wieder Musik spielt

Mit der Meldung, dass MTV bald zu einem Pay-TV-Sender wird wurde eine ganz andere Debatte wieder aufgegriffen: Viele Blogger schrieben, dass Musikfernsehen tot sei und es keiner mehr brauche. Ihre Aussage war, dass man alle Videos bei Youtube findet und deswegen sich gar nicht an das vorgegebene Programm halten muss. Und genau da ist meiner Meinung nach der Schwachpunkt der Argumentation.

Natürlich finde ich im Internet alle Videos, die ich sehen will. Aber für mich war der Reiz bei MTV ein ganz anderer. Dadurch, dass man keine Ahnung hat, wann welches Video  gespielt wird hört man auch Lieder, auf die man so nicht gekommen wäre.

Wie man sich vielleicht denken kann, bin ich kein großer Anhänger generischer Popmusik. Auch mit Hip Hop kann ich nur bedingt etwas anfangen. Trotzdem kommen einige meiner Lieblingsvideos aus dem Bereich. Und dadurch, dass ich die Musikwahl eines Fernsehsenders nicht beeinflussen kann, hat mich MTV auf diese Videos gebracht.

So ist zum Beispiel das Video zu »Welcome to Heartbreak« von Kanye West und Kid Cudi eins der besten Musikvideos das ich kenne. Würde ich mich wie viele Blogger/Twitterer/Internetmenschen nur auf meine Musikblogs und sonstige Kontakte verlassen, hätte ich das Video wahrscheinlich nie gesehen.

Die Auswahl meiner Quellen erfolgt nämlich logischer Weise danach, ob ich die Inhalte mag, die dort gepostet werden. Diese Vorausfilterung hat bei Nachrichtenmedien einen großen Vorteil, da dort noch immer alle Meldungen wenigstens kurz behandelt werden und man bei Interesse auf andere Quellen zurückgreifen kann.

Bei Musikblogs passiert das aber eben nicht. Die sondieren von vornherein nur nach Dingen, die für ihren Geschmack relevant sind. Das ist natürlich auch ersteinmal nichts schlechtes, da ich so einen Schnellüberblick über Neuerscheinungen, die mich interessieren könnten erhalte. Aber ich verpasse eben auch großartige Dinge. Und genau aus diesem Grund ist der Verlust von Musikfernsehen ein großer Verlust von Kultur.

Denn durch die eher unreflektierte und bestenfalls sogar unkommentierte Wertung von Musiksendern wie das frühe MTV oder das leider abgesetzte Viva 2 hat man ein viel größeres Spektrum an Musik mitbekommen, als das heute der Fall ist. Da hilft auch das glorreiche Internet nicht, da es nämlich dazu verleitet Dinge auszufiltern, die uninteressant für einen selbst sind.

Und genau darum bin ich geneigt, MTV als Bezahlsender eine Chance zu geben. Sie haben nämlich versprochen einen Zweitsender zu machen, der nur Musik spielt.

Die Überschrift hab ich übrigens ganz dreist vom Namen der aktuellen Casper-Tour geklaut.